Das Weihnachten einer chinesischen Christin

  Frau Gao Yuanyuan lebt in Beijing. Als fromme Christin besucht sie jede Woche die Kirche und ist Mitglied des Kirchenchores. Schon lange Zeit vor dem Weihnachten probt sie mit dem Chor festliche Weihnachtslieder. Sie erzählt uns, dass Weihnachten für sie das wichtigste Fest im Jahr ist:

"Ich als Christin betrachte das Weihnachtsfest nicht als ausländisches Fest. Es ist ein wichtiger Tag für alle Christen. An diesem Tag erinnern wir uns an die Geburt von Jesus und die Freude und Hoffung, die er uns bringt.  Wir Christen wollen an diesem Tag die Liebe Gottes an die Welt weitergeben. Wir zeigen den anderen Menschen auch, dass wir einander lieben."

In ihrer Freizeit hilft Gao Yuanyuan freiwillig in der Kirche. Dabei hat sie schon viele andere Christen kennen gelernt. 

Jedes Jahr bekommen sie und andere Christen in der Vorweihnachtszeit kleine Geschenke von dem Pastor der Kirche wie kleine Hefte oder Büchlein. In die Hefte notiert sie eifrig Auszüge aus der Bibel. Neben dem Chorgesang hat Gao in jedem Jahr auch eine andere Aufgabe. Sie muss die Kirche weihnachtlich ausschmücken. Über die Dekoration erzählt sie uns:

  "Vier Wochen vor den Feiertagen beginnen wir, die Kirche zu dekorieren. Anders als in Europa schmücken wir die Kirche nicht mit weißer, sondern mit gelber Dekoration.  Am 24. und 25. Dezember singen wir Christen in der Kirche sehr viel weihnachtliche Lieder."

Heute leben über 5 Millionen Katholiken und rund 10 Millionen Protestanten in China.  Die Katholiken verfügen in China über etwa 5.000 katholische Kirchen und lokale Vertretungen. Es gibt derzeit etwa 12.000 protestantische Kirchen in China. 

Für die Christen in China also ist das Weihnachten wie im Westen das wichtigste kirchliche Fest im Jahr. 

Wir möchten Ihnen noch kurz etwas über die Geschichte des Christentums in China erzählen. 

Eine Sekte der christlichen Religion kam während der Tang-Dynastie, also im Jahr 635, nach China.  Dies wird bei den meisten Religionsforschern als der Anfang des Christentums in China betrachtet.  Die Sekte, die nach China gebracht wurde, wurde damals von der offiziellen katholischen Kirche der Ketzerei beschuldigt. Etwa 200 Jahre später wurde diese - auch Jing-Religion genannte - westliche christliche Sekte zusammen mit dem Buddhismus vom Tang-Kaiser Li Yan verboten. Deshalb erfuhr die Verbreitung der christlichen Religion in China eine längere Unterbrechung. 

In den folgenden Jahrhunderten kamen gelegentlich Missionare nach China.  Die christliche Religion verbreitete sich allerdings sehr begrenzt in China.

Professor Sun Shangyang von der philosophischen-Fakultät der Peking-Universtität forscht seit langer Zeit übe die Geschichte der christlichen Verbreitung in China. Er sieht die Verbreitung des Christentums in China im Zusammenhang mit der Förderung des Austausches zwischen China und dem Westen:

 "Der kulturelle Austausch zwischen China und dem Westen wurde durch die Verbreitung der christilichen Religion kräftig gefördert.  Und dies ist keine Einbahnstraße. Ich möchte vor allem bekräftigen, dass die westlichen Missionare den Menschen in Europa die chinesische Kultur sehr gut erklärten, als sie von China nach Europa zurückkehrten. Sie übersetzten klassische konfuzianische Werke in europäische Sprachen. Die Philosophie des Konfuzius hatte dann einen beachtlichen Einfluss auf die westlichen Denker während der Aufklärungsperiode. Im 18. Jahrhundert ließen sich viele europäische Philosophen von der von Konfuzius gepredigten Lehre inspirieren.  Auf der anderen Seite brachten die westlichen Missionare auch viele westliche Technologien nach China. Dazu gehören Astronomie, Zeitrechnung, militärische Technik, Anatomie, Biologie, westliche Malkunst und Musik." 

Die Spuren des Austausches zwischen China und dem Westen lassen sich nicht nur in dem kulturellen Bereich sehen. Auch im Alltag spürt man den Einfluss des Christentums. Professor Sun Shangyang führt einige Beispiele an:

"Die christliche Religion hat auch Spuren im Alltagsleben der Chinesen hinterlassen.  Unser heutiger Lebensrythmus ist ein klares Beispiel dafür: Viele arbeiten am Sonntag nicht,  viele Menschen, vor allem Jugendliche, feiern heutzutage Weihnachten.  Manche Verliebte lassen sich in der Kirche trauen, auch wenn sie keine Christen sind."