Amerikas China-Eindämmungsstrategie kann nach hinten losgehen

2020-09-01 09:10:13

Die Slogans „Make America great again!“ und „America first!” sollen dem Wähler zeigen, dass für den derzeitigen US-Präsidenten das eigene Land an vorderster Stelle steht. Und auch die US-Politik soll diesen Eindruck erwecken: Mit Strafzöllen zum Beispiel und einer Abkoppelung von China sollen Fabriken zurück in die USA geholt werden und „Made in America“ zu einem Gütesiegel werden. Die Frage, ob in den USA das Know-how, die Fachkräfte und Ressourcen vorhanden sind, um etwa Handys oder Autos in akzeptabler Qualität und zu konkurrenzfähigen Preisen herzustellen, wird dabei ignoriert. Wäre etwa ein chinafrei hergestelltes I-Phone überhaupt möglich und zu welchem Preis?

Um US-Produkte zu pushen, sollen chinesische Produkte gleichzeitig unattraktiv gemacht werden. Da aber „Made in China“ inzwischen für gute Qualität steht und besonders High-Tech-Produkte aus China in vielen Bereichen beim Preis und der Qualität überzeugen, geht das nur durch Machtpolitik. Huawei ist ein gutes Beispiel: Länder, welche die 5G-Technologie des chinesischen Unternehmens neu oder weiter nutzen wollen, werden von den USA unter Druck gesetzt. Beim Verbot der Videoplattform „TikTok“ schoben die USA Sicherheitsbedenken vor, ohne Beweise vorzulegen. Die Zugriffsmöglichkeiten, welche amerikanische Behörden auf alle Nutzer-Daten von US-Firmen wie etwa Google, Youtube und Facebook durch den Patriot Act haben, werden kaum thematisiert.

Einige US-Politiker sehen auch in klugen chinesischen Köpfen eher eine Bedrohung als eine Bereicherung. Das 1,4-Milliarden-Land China verfügt über 170 Millionen Fachkräfte und Talente. Zum Vergleich: Es gibt gerade einmal 335 Millionen US-Amerikaner. Und in den USA ist gute Bildung oft eine Frage des Geldes. China ist hier breiter aufgestellt und wird hoffentlich nie den amerikanischen Weg gehen. Mit rund 30 Millionen Hochbegabten hat China mehr potentielle Höchstleister als jedes andere Land der Erde. Und die Ergebnisse der PISA-Tests und Mathematikolympiaden zeigen sehr deutlich, dass Chinas Schüler immer besser werden. Für einige US-Politiker ist das offenbar sehr furchterregend.

Es gab bereits Schikanen gegenüber chinesischen Studenten in den USA. Nun planen ein paar US-Politiker sogar, Chinesen von einem Studium von MINT-Fächern in den USA auszuschließen. Damit soll wohl verhindert werden, dass in Amerika ausgebildete Chinesen den chinesischen Staat und chinesische Unternehmen noch erfolgreicher machen. Aber was ist, wenn Chinesen, die in den vergangenen Jahren in den Ingenieurswissenschaften und in der Mathematik einen Anteil von bis zu einem Viertel an den gesamten Promotionen in den USA hatten, in Amerika bleiben? Tatsächlich blieben ungefähr 90 Prozent nach ihrem Studium für zehn Jahre oder länger in Amerika. Würde ein Ausschluss von chinesischen Studenten also Amerika nutzen? Würde das amerikanische Absolventen schlauer und wettbewerbsfähiger machen? Oder wären China und chinesische Universitäten am Ende die größten Gewinner?

Einige US-Politiker wollen partout Amerika durch Schwächung Chinas stärken. Sie wollen China um jeden Preis isolieren, dessen Allianzen schwächen bzw. zerstören. Vor dreißig Jahren hätten sich diese Ziele noch erreichen lassen. Aber damals war Amerikas Elite nur darauf versessen, viel Geld in China zu verdienen. Heute sind die USA astronomisch verschuldet und der früher buchstäblich Gold werte US-Dollar ist nur deshalb noch halbwegs stabil, weil die USA eine Supermacht sind, auf deren baldigen Untergang noch kaum jemand setzt. Aber Amerika hat sehr viel Glanz verloren. Bei China verhält es sich umgekehrt: Dem chinesischen Staat, seiner Währung RMB, und den chinesischen Unternehmen vertrauen immer mehr Menschen. China gilt immer mehr als verlässlicher Partner und verspricht hohe Rendite. China stellt für viele die Zukunft dar.

Die USA müssen sich entscheiden, ob sie von China profitieren wollen, was nur durch Zusammenarbeit geht, oder auf Konfrontationskurs gehen. Die Weichen stellen sie jetzt. Wer China isolieren will, gewinnt nichts, verliert aber den riesigen Markt, die klugen Köpfe und die Sympathie von rund 1,4 Milliarden Chinesen. Die USA würden am Ende ironischerweise Chinas Aufstieg noch beschleunigen. So wird beispielsweise durch den Handelskrieg der Abfluss von Arbeitsplätzen aus der US-Automobilindustrie nach China nicht gebremst, sondern sogar gefördert, wie die amerikanische Rundfunkgesellschaft NBC gerade berichtet hat. Zudem laufen die USA bei ihren zwanghaften Versuchen, China einzudämmen, Gefahr aus dem stolzen Land der unbegrenzten Möglichkeiten einen neidischen Staat zu machen, der nur noch Weltklasse im Begrenzen von Möglichkeiten ist.

Text: Nils Bergemann

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