„Impfstoff-Egoismus“ gefährdet internationalen Kampf gegen COVID-19

2020-08-24 21:06:43

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation Tedros Adhanom Ghebreyesus hat vor kurzem von einem „Impfstoff-Nationalismus“ gesprochen. Mit diesem Begriff brachte er seine Besorgnis über die Vorgehensweise einiger Länder zum Ausdruck, potentielle Impfstoffe gegen das neuartige Coronavirus aufzukaufen und den Zugang anderer Länder zu diesen Impfstoffen zu erschweren. Tatsächlich sind einige US-Politiker sogar noch einen Schritt weiter gegangen, indem sie eine Strategie des „Impfstoff-Egoismus“ verfolgen und damit die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie torpedieren.

Jüngsten Statistiken zufolge wurden weltweit insgesamt mehr als 23 Millionen COVID-19-Fälle bestätigt, über 800.000 Menschen sind bisher an den Folgen der Infektionskrankheit gestorben. Angesichts dessen gelten Impfstoffe als schlagkräftiges Mittel zur Eindämmung der Pandemie. Bei der Entwicklung von Impfstoffen sind einige Länder zügig vorangekommen. Aber bedauerlicherweise haben einige US-Politiker diese Entwicklung politisiert und absichtsvoll als „geopolitischen Wettbewerb”dargestellt.

Neben der bisherigen Politisierung des Ursprungs des Virus betrachten einige US-Politiker nun auch die Suche nach einem Impfstoff als geeignetes Mittel zur Ablenkung der Aufmerksamkeit und für den Wahlkampf. So warfen einige ranghohe US-Politiker China vor, bei der Arbeit an einem Impfstoff amerikanische Technologien und Daten gestohlen zu haben. Auch werden Chinas Anstrengungen in diesem Bereich als „Impfstoff-Diplomatie“ verleumdet. Schlussendlich wird alles daran gesetzt, eine leitende Rolle bei der Entwicklung und vor allem der Nutzung vom Impfstoff einzunehmen.

Der US-Fachzeitschrift „Science“ zufolge hat die US-Regierung mit mehreren Pharma-Unternehmen Kaufverträge für Impfstoffe im Wert von mehr als sechs Milliarden US-Dollar unterzeichnet. Angesichts der bisherigen Fehlschläge im Kampf gegen COVID-19 ist dieser Schritt durchaus nachvollziehbar. Es muss aber berücksichtigt werden, dass gerade Entwicklungsländer mit hohen Bevölkerungszahlen und mangelhaften öffentlichen Gesundheitssystemen Unterstützung gegen die Pandemie benötigen. In einem Artikel der britischen Zeitschrift „The Ecologist“ heißt es hierzu, dass das Gerangel um Impfstoffe, etwa durch Länder wie die USA, die vorhandenen Impfstoffen für arme Länder und sozial schwache Gruppen in entscheidendem Maße reduzieren werde. Dies könnte schlimmstenfalls einen Rückschlag im internationalen Kampf gegen die Pandemie bedeuten.

Die Regelung des Zugangs zu potentiellen Impfstoffen innerhalb der internationalen Gemeinschaft stellt vor diesem Hintergrund eine große Herausforderung dar.

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