

Zumindest die Schuldzuweisungen einiger US-Politiker gegenüber China wegen des Virus sind in letzter Zeit weniger geworden. Vielleicht, weil immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen, wie jüngst die von Abwasserproben, eindeutige Belege für ein Vorhandensein des neuartigen Coronavirus in vielen Ländern mehrere Wochen oder sogar Monate vor dem Ausbruch in Wuhan liefern, oder, weil das Schuldabwälzen einfach bei den Amerikanern nicht so gut ankommt, wie erhofft. Oder ist es etwa selbst diesen US-Politikern nicht entgangen, dass für die übrige Welt die Frage nach der Herkunft des Virus keine politische, sondern eine wissenschaftliche Frage ist?
Während Krisenzeiten und anderer Bewährungsproben können die Politiker beim eigenen Volk nicht punkten, wenn sie sich in die Angelegenheiten anderer Nationen einmischen. Die Menschen erwarten dann gerade kluge Worte und Taten für ihr eigenes Land.
China macht sich längst nicht mehr die Mühe, jeden der haltlosen Vorwürfe der üblichen US-amerikanischen Verdächtigen zu kommentieren. Aber viele US-Bürger tun es in den sozialen Medien und das oft mit drastischen Worten. Grundtenor ist, wie gesagt, dass man erst einmal das eigene Land in Ordnung bringen sollte, bevor man andere Länder beschuldigt.
Nun, auch diese US-Politiker könnten einfach Taten sprechen lassen und die eigenen Bürger von ihrer Souveränität überzeugen. Und, auch wenn sie es nicht gerne hören werden, könnten sie sich dabei ruhig an China orientieren.
China agiert und reagiert souverän in doppelter Hinsicht der Wortbedeutung. Einmal souverän in der Duden-Erklärung als „souveräner Staat“, der sich in innere Angelegenheiten nicht von anderen Staaten reinreden lässt. Und dann, ich zitiere hier auch den Duden, souverän im Sinne von „etwas souverän beherrschen“ bzw. „die Lage souverän meistern“, was die Bewältigung der Gesundheitskrise allgemein oder unlängst das präzise und minimalinvasive Niederkämpfen des erneuten Ausbruchs mit Tests, Quarantäne und Schließungen von Geschäften nur genau dort, wo es nötig war, bewiesen haben.
Text: Nils Bergemann