

Weltwelt gibt es insgesamt 37 Tiefseegräben, die tiefer als 6.000 Meter sind. Neun davon befinden sich am Boden des Westpazifik, darunter der berühmte Mariannengraben und auch die anderen vier Gräben, die über 10.000 Meter unter der Meeresoberfläche liegen. Die meisten Meerestiefen konnten aus technischen Gründen bislang aber kaum erforscht werden.
Wir leben allerdings in einem Zeitalter des schnellen wissenschaftlich-technologischen Wandels. Im Zuge der Bemühungen, hochmoderne Tauchboote zu entwickeln, wurden Forscher zusehends in die Lage versetzt, Tiefseegräben zu erkunden und alte Vermutungen durch neue Erkenntnisse zu ersetzen. Chinesische Forscher haben zum Beispiel unlängst ein neues bemanntes Tauchboot entwickelt, das in der Lage sein soll, in eine Tiefe von bis zu 10.000 Meter zu tauchen. Offziellen Angaben zufolge soll ein entsprechender Test in dieser sogenannten „Challenger Tiefe“ im tiefsten Graben der Welt, dem Mariannengraben, bereits in diesem Jahr durchgeführt werden.
Die größte Schwierigkeit bei der Entwicklung dieses Tauchboots lag den Ingenieuren zufolge in der Überwindung des unvorstellbar hohen Drucks so viele Meter unter der Meeresoberfläche. Als konkretes Beispiel nannten die Wissenschaftler das gängige Modell „Jiaolong“, das bereits im Juni 2012 im Mariannengraben eine Tiefe von 7.000 Metern erreichen konnte. In solcher Tiefe musste das Äußere von „Jiaolong“ einem Druck von 700 bar widerstehen. Für das neu entwickelte Modell, das für eine Tiefe von 11.000 Meter ausgelegt ist, wird dieser Druck um weitere 400 bar steigen. Dies entspricht den Wissenschaftlern zufolge einem Druck von einem Gewicht von 10.000 Tonnen auf eine Fläche von einem Quadratmeter. Allgemein herrscht die Auffassung, dass der Druck in der Meerestiefe eine riesige Herausforderung für das Material, das Design und die Herstellung von Tauchfahrzeugen darstellt, vor allem an der Schweißverbindung des kugelförmigen Bootsrumpfes, die eine äußerst anspruchsvolle Technologie erfordert.
Ye Cong, dem Chefingenieur des neuen Tauchfahrzeugs, zufolge hat China bereits im Juli 2016 ein groß angelegtes Projekt zur Erkundung der Hoch- und Tiefsee gestartet.
Bei den bislang erfolgreichen Tauchgängen hätten die Forscher bereits zahlreiche Tiefsee-Beobachtungen und Vermessungen durchgeführt, so Ye weiter. Sie hätten Proben von Meerwasser, Gestein und verschiedenartigen Seepflanzen gesammelt. Außerdem hätten sie an vielen Orten den Meeresgrund fotografiert.
Den Wissenschaftlern zufolge sollen die bei den Tauchgängen gesammelten Gesteine dabei helfen, zu verstehen, wie die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Mariannengrabens aussieht. Die Proben der Meereslebewesen sollen zur Erforschung der Diversität von Tiefwassertieren, der ökologischen Systeme und der Biogeografie beitragen.
Wissenschaftler hatten zuvor angenommen, dass die Meerestiefe wegen des hohen Drucks, des Mangels an Sonnenlicht und Futter sowie vieler geologisch extremer Umstände eine isolierte und leblose Welt sein könnte. Mithilfe von Tauchern und Robotern konnten inzwischen jedoch immer neue Erkenntnisse gewonnen und die Stille der Meerestiefe wird zusehends beleuchtet. Ye Cong ist daher auch davon überzeugt, dass der Einsatz des neuen bemannten Tauchboots zu einer weiteren Aktualisierung des Wissenstandes beitragen wird.