Wissenschaftler warnen vor übertriebener Euphorie über Antikörper-Test

2020-04-17 15:16:31

Chinesische Wissenschaftler haben den Antikörper-Test, der inzwischen in mehreren Ländern als ausschließliche Methode zur Diagnose von COVID-19 verwendet wird, in Frage gestellt. Die Testmethode könne die Präsenz des Virus im Körper nicht nachweisen und sei deshalb nicht hilfreich, die Infektion in ihrer frühen Phase zu erkennen, so die Wissenschaftler.

In den vergangenen Wochen hatte der sogenannte wegweisende Antikörper-Test weltweit für Schlagzeilen gesorgt, da das gesamte Nachweisverfahren mit einer Blutentnahme aus der Fingerspitze nur ein paar Minuten dauern soll. Medienberichten zufolge hat sich die neue Testmethode inzwischen in mehreren Ländern, darunter den USA, Deutschland und Großbritannien, flächendeckend verbreitet. In China fand der erste Einsatz des Antikörper-Tests Ende Februar statt.

Mehrere chinesische Wissenschaftler haben inzwischen aber davon abgeraten, den Antikörper-Test als wesentliches diagnostisches Mittel zu verwenden. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die US-amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde (FDA) und Gesundheitsbehörden in vielen weiteren Ländern zeigen sich ebenfalls wenig optimistisch über die neue Testmethode. Sie dürfe nicht als alleinige Grundlage dienen, um eine Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus nachzuweisen oder auszuschließen, so der Konsens der Wissenschaftler.

Wie die US-amerikanischen Zentren für Seuchenbekämpfung und -prävention (CDC) in einer Erklärung mitteilten, werde beim Antikörper-Test, der auch serologischer Test genannt werde, in der entnommenen Blutprobe nach Anzeichen einer Immunreaktion wie etwa einer Produktion der Antikörper IgM und IgG gesucht.

IgM ist den Wissenschaftlern zufolge der erste Antikörper, der als Reaktion auf körperfremde Stoffe, wie etwa Viren, vom menschlichen Immunsystem produziert wird, während IgG ein breites Tätigkeitsgebiet besitzt, wie Toxine im menschlichen Körper zu neutralisieren und die Immunreaktion zu regulieren.

Die Produktion der benötigten Antikörper im menschlichen Körper kann demnach aber auch erst mehrere Tage nach einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus beginnen. Bei IgM beispielsweise dauere die Produktion normalerweise drei bis fünf Tage, während sie bei IgG zwei Wochen und im Extremfall sogar einen Monat dauern könne, so die Wissenschaftler. Infolgedessen sei der Antikörper-Test nicht imstande, Ansteckungen in ihrer frühen Phase zu diagnostizieren.

Mit dieser Testmethode könne man außerdem keine aktuelle Präsenz des Virus im menschlichen Körper nachweisen. Sinnvoller wäre es daher, den Antikörper-Test bei der epidemiologischen Forschung einzusetzen, etwa bei der Feststellung des Prozentsatzes der mit einem gewissen Virus angesteckten Bevölkerung.

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