Stimmen aus Wuhan (Folge 10): Ratschläge und gute Wünsche aus dem ehemaligen Zentrum der Epidemie

2020-03-23 08:51:01

In Wuhan gibt es zurzeit keine neuen Infektionen. Die Menschen schöpfen Hoffnung, in absehbarer Zeit wieder zur Normalität zurückkehren zu können. Auf das Wüten des Virus im Ausland blicken sie mit Sorge und sie fühlen mit den leidenden Menschen, deren Situation sie allzu gut kennen.

Es hat fast den Anschein, als würden bald die Rollen getauscht werden und die Wuhaner dann besorgte Beobachter und die Europäer nahezu ohnmächtige Opfer sein.

Die 22-jährige Pan, die in einem Planungsbüro der Bahn arbeitet und dort auch seit einiger Zeit auf dem Sofa schläft, wie wir berichteten, hat ein paar Vorschläge für ihre ausländischen Leidensgenossen: "Was wir als einzelne Person tun können, glaube ich, ist zu Hause zu bleiben." Es sei falsch, die Regeln der Regierung extra nicht zu befolgen. "Man sollte möglichst wenig nach draußen gehen. Wenn es notwendig ist, sollte man sich effektiv schützen, zum Beispiel eine Schutzmaske und sogar Handschuhe tragen. Wieder zu Hause sollte man seine Kleidung wechseln und sich gründlich reinigen."

Die junge Frau, die selbst nicht mehr so ängstlich ist, macht sich aber Sorgen wegen der Entwicklung in anderen Ländern: "Ich bin nicht optimistisch bezüglich der Situation im Ausland, weil da die Regierungen lange Zeit keine schlagkräftigen Interventionsmaßnahmen ergriffen haben. Wenn die Ansteckungsherde nicht abgeschnitten werden, ist die Ausbreitung nicht leicht einzudämmen. Dann muss man selbst wachsam bleiben, vorsichtig sein und sich gut um sich selbst kümmern."

Sie habe von einem Freund in Großbritannien gehört, dass dort Schutzmasken knapp seien. "Und diejenigen, die eine Maske tragen, werden dort manchmal auch als Virusträger angesehen und diskriminiert. Bei solch geringen Kenntnissen über das Virus ist eine heftige Ausbreitung fast unvermeidbar."

Sie hoffe, dass die Leute im Ausland sich besser über das Virus informieren werden. "Es ist kein Virus, das nur alte Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen gefährdet. Chinas Erfahrungen zeigen, dass es für alle Leute gefährlich ist. Viele junge Ärtze sind daran gestorben. Es gibt momentan keine wirksame Arznei gegen das Virus. Man ist auf sein eigenes Immunsystem angewiesen. Ich hoffe, dass Leute im Ausland die Lage noch ernster nehmen und besser aufpassen."

Der 30-jährige Selbständige Zhang, der sein Geschäft zurzeit von Zuhause führt, sagt, man könne Europa nicht mit China vergleichen: "In Europa hat es lange Zeit keine Einschränkungen gegeben. China ist im Gegensatz zu Europa zu einem sichereren Ort geworden. Die Epidemie in China nähert sich wahrscheinlich dem Ende."

Die 24-jährige Lin betrachtet die Situation als "eine Art der Simulation des Lebens im Ruhestand". Sie empfiehlt auch, überwiegend zu Hause zu bleiben und draußen eine Schutzmaske und Einweghandschuhe zu tragen. "Draußen am besten den Kontakt zu Anderen vermeiden und sich desinfizieren, wenn man wieder zurück ist."

Sie selbst gehe normalerweise nicht raus. Zuhause lese sie und beschäftige sich selbst. "Als ich vom Ausbruch der Epidemie im Ausland gehört hatte, hatte ich das Gefühl, dass ich trotz meiner Hilfsbereitschaft in der Tat nichts tun kann, weil ich selbst noch nicht befreit wird."

Die Quarantäne sei wie Ferien ohne Ausgangsmöglichkeiten. Es sei wichtig, sich selbst und die Familie zu schützen. "Man sollte sich auch dann nicht treffen, wenn man sich langweilt, sondern diese Zeit besser zum Lernen und Lesen nutzen und mit der Familie zu Hause verbringen. Das ist auch eine glückliche Sache."

In Wuhan würde gegen Menschen, die Andere gefährden, hart durchgegriffen: "Bei uns werden diejenigen, die beim Ausgang keine Schutzmaske tragen, bestraft."

Lin ärgert sich über Fake News: "Einige ausländische Medien haben zum Beispiel viele Leute durch ihre irreführenden Berichte davon überzeugt, dass das Virus bei hohen Temperaturen sterben wird."

Lin wünscht den Menschen im Ausland alles Gute: "Ich hoffe, dass ihr es schaffen könnt."


Text: Nils Bergemann


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