

Nachdem der neue Flugzeugträger „Shandong“ Ende des vergangenen Jahres seinen Dienst aufgenommen hat, sprachen chinesische Marine- und Militärexperten bereits von einer neuen Ära. In einem Kommentar der Tageszeitung „China Youth Daily“ wurde es als Ereignis des Jahrzehnts beschrieben. Die Marine der Volksbefreiungsarmee sei dadurch in eine „Phase der zwei Flugzeugträger“ eingetreten, so der Kommentar. Dabei handele es sich um eine tiefgreifende Transformation mit der Besonderheit, dass die Marine seit ihrer Gründung vor 70 Jahren zum ersten Mal Flugzeugträger in den Mittelpunkt gestellt habe.
Die Herstellung von „Shandong“ begann im Jahr 2013. Ein Jahr zuvor hatte Chinas erstes Flugzeugträger, „Liaoning“, seinen Dienst aufgenommen. Bei „Liaoning“ handelte es sich jedoch um einen erweiterten Umbau des unvollendeten sowjetischen Flugzeugträgers „Warjag“, den China 1998 der Ukraine abgekauft hatte. Angesichts des damaligen Entwicklungsstandes habe die chinesische Marine „Liaoning“ mit Bedacht lediglich als Trainingsplattform genutzt, um den Einsatz von Flugzeugträgern zu erlernen und zu perfektionieren sowie um zu erfahren, was in einem Entwurf für künftige Flugzeugträger am Wünschenswertesten wäre, so der Kommentar.
„Shandong“ sei aber keinesfalls eine einfache Kopie von „Liaoning“, sondern eher eine Modernisierung und Weiterentwicklung, hieß es in der „China Youth Daily“ weiter.
Zu den modernisierten Bereichen des zweiten Flugzeugträgers gehörten unter anderem das Flugdeck, die Flugzeughalle, das Antriebssystem, das Aufzugssystem, das Radar-Luftabwehrsystem, sowie Informationsequipment und elektronische Ausrüstung. Hinsichtlich der Wasserverdrängung, der Größe des Schiffskörpers und der Zahl der getragenen Flugzeuge habe der neue Flugzeugträger „Liaoning“ deutlich überschritten.
Dennoch müsse man sich ganz klar bewusst sein, dass zwischen der chinesischen Marine und weltklassigen Marinemächten nach wie vor ein großer Abstand bestehe. Hinsichtlich der Zahl der Flugzeugträger sei China derzeit zwar mit Großbritannien gleichgestellt, schaue man sich aber die Zahl und Performance der F-35B Kampfflugzeuge an, die von den beiden britischen Flugzeugträgern „HMS Queen Elisabeth“ und „HMS Prince of Wales“ getragen würden, zeigten diese einen großen Entwicklungsspielraum für die chinesische Marine. Außerdem fehle es an Bord der beiden chinesischen Flugzeugträger nach wie vor an Frühwarn-Radarflugzeugen, Flugzeugen für Aufklärung und elektronische Kriegsführung sowie Tankflugzeugen. Daher liege vor der chinesischen Marine noch ein weiter Weg, so der Kommentar der „China Youth Daily“ weiter.