Akademische Kreise positionieren sich gegen Verhaftung eines chinesischen Professors in den USA

2021-01-31 00:31:16

Die Verhaftung des chinesischen Professors Chen Gang vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) durch die amerikanische Bundespolizei FBI hat in akademischen Kreisen sowohl in China als auch in den USA große Besorgnis ausgelöst. Professor Chen ist einer der international führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Wärmeübertragung.

Die auf der Webseite des US-Justizministeriums veröffentlichte strafrechtliche Anklageschrift gegen Professor Chen Gang lautet auf Überweisungsbetrug, Unterlassung der Vorlage von Berichten über ausländische Bank- und Finanzkonten sowie die Abgabe falscher Erklärungen gegenüber US-Regierungsbehörden.

Am 15. Januar erklärte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Zhao Lijian auf eine entsprechende Frage eines Journalisten, dass die US-Behörden professionell und fair handeln und nicht durch politische Manipulationen den normalen Austausch und die Zusammenarbeit zwischen China und den Vereinigten Staaten im Bereich der Wissenschaft, Technologie und Kultur schaden sollten.

Rao Yi, ein berühmter chinesischer Biologe, schrieb kurz nach dem Vorfall an den Präsidenten und den Vizepräsidenten des MIT: „Die Verhaftung von Professor Chen Gang durch das FBI ist ein rassistischer Akt. Wenn das MIT Chen Gang nicht unterstützt, muss man davon ausgehen, dass das MIT an einem der schlimmsten Fälle von Rassendiskriminierung in akademischen Kreisen im 21. Jahrhundert teilgenommen hat."

Am 22. Januar hatte der Präsident des MIT, L. Rafael Reif, in einem offenen Brief erklärt, dass es sich bei den im Strafverfahren genannten „19 Millionen US-Dollar aus China“ nicht um persönliches Einkommen von Chen Gang handele, sondern um einen Teil der Finanzierung einer bekannten Kooperation zwischen dem MIT und der Südchinesischen Universität für Wissenschaft und Technologie. Die Universitätskollegen von Professor Chen Gang protestierten am vergangenen Dienstag öffentlich und bezeichneten das Verhalten der US-Staatsanwaltschaft als überzogen. Ein gemeinsamer offener Brief zur Unterstützung von Professor Chen wurde sowohl durch den MIT-Präsidenten als auch durch 160 Fakultätsmitglieder unterzeichnet.

Die Veränderungen der innenpolitischen Atmosphäre in den Vereinigten Staaten waren Chen Gang bereits seit geraumer Zeit bewusst. So reduzierte er etwa im Jahr 2019 seine Arbeitszeit an der Südchinesischen Universität für Wissenschaft und Technologie und kehrte vorzeitig an das MIT zurück, um nicht in den Verdacht zu geraten, berufliches Wissen an seine chinesischen Kollegen weiterzugeben. Im Juli desselben Jahres startete die US-Regierung eine groß angelegte Untersuchung zu Kontakten zwischen chinesischstämmigen amerikanischen Wissenschaftlern und ausländischen Regierungen. Chen Gang gab damals in einem Interview mit der Zeitschrift „Nature“ an, dass „die gegenwärtige Atmosphäre eine Menge psychologischer Angst verursacht.“

Im Laufe der vergangenen Jahre haben die Vereinigten Staaten als Teil des Konfliktes um Wissenschaft, Technik und relevante Fachkräfte Maßnahmen gegen chinesische und chinesischstämmige Wissenschaftler erlassen, die am wissenschaftlichen und technologischen Austausch zwischen den USA und China beteiligt sind. Die entsprechenden Aktionen fügen China mit Sicherheit Schaden zu, doch langfristig schaden sie auch den USA selbst. Denn mit den genannten Wissenschaftlern kehren auch zunehmend Innovation und Forschergeist den USA den Rücken zu.

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