Von Selbstvertrauen zu Verwirrung: die vergangenen 70 Tage in den USA

2020-04-16 11:46:15

Warum sind die Vereinigten Staaten, die immer als das am besten auf die Pandemie vorbereitete Land galten, von dem neuen Coronavirus geschlagen worden? Hinter der grassierenden Pandemie zeichnet sich allmählich das Versagen der Vereinigten Staaten ab.

1. Die Prognose des Ministerium für Gesundheitspflege und Soziale Dienste der Vereinigten Staaten (HHS)

„Eine durch hohes Fieber gekennzeichnete Atemwegserkrankung breitet sich weltweit rasch aus. In den USA trat sie erstmals in Chicago auf. 47 Tage später erklärt die Weltgesundheitsorganisation die Krankheit zu einer globalen Pandemie, aber es ist zu spät: 110 Millionen Amerikaner werden infiziert, 7,7 Millionen müssen ins Krankenhaus eingeliefert werden und 586.000 werden sterben. "

Es handelt sich nicht um einen Bericht über die COVID-19-Epidemie in den USA, sondern um eine achtmonatige simulierte Übung im Jahr 2019. Jetzt scheint es wie ein „Skript“, das vorhersagt, was als nächstes in den USA passieren wird.

Noch schlimmer ist, dass die US-Behörden, die gerade erst dieses Testmanöver gemacht hatten, angesichts der COVID-19-Epidemie fast alle Fehler wiederholt haben.

2. Schalter für die Epidemiepräventionnicht umgelegt

Mehrfachen Medienberichten zufolge bestätigten im Laufe des Januars zahlreiche Personen in der Regierung - von hochrangigen Beratern im Weißen Haus bis hin zu internen Experten in Kabinettsabteilungen und Geheimdiensten - die Bedrohung und machten deutlich, dass entsprechende Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Der Meldung von „The New York Times“ zufolge zeigten viele Leistungen der US-Regierung in den vergangenen Jahren, dass sie ein beachtliches Verständnis von Epidemien hat. Auf einer Konferenz im März sagte US-Präsident Donald Trump angesichts des Anstiegs der bestätigten Fälle in den USA, dass niemand jemals gedacht hätte, dass es so ernst sein würde.

Doch in der Tat wussten sie es. Die Mahnung kam bereits früher. Am 21. Januar wurde ein Mann aus Seattle zum ersten bekannten Fall der Infektion in den USA, nachdem er positiv auf den Coronavirus-Test reagiert hatte.

Zu diesem Zeitpunkt war der Schalter für die Krankheitsprävention in den USA noch nicht umgelegt. Trump nahm am Davos-Forum in der Schweiz teil, um das Versprechen einzulösen, dem Volk „mehr Wohlstand in die USA“ zu bringen. Die NBA jubelte noch immer, am New Yorker Broadway wurde noch immer gesungen und getanzt. Aber der Schmetterlingseffekt hat bereits eingesetzt.

3. Verpasstes Zeitfenster

Das Weiße Haus reagierte nicht auf die Warnung der HHS. Andere Bemühungen verliefen ebenso im Sand. Die Mitarbeiter der HHS debattieren seit Wochen über die Umsetzung des Gesetzes zur Produktion von Schutzausrüstung.

„Diese Streitigkeiten bedeuten, dass die USA, bevor die Regierung anfing mit vielen anderen verzweifelten Ländern zu konkurrieren, das schmale Zeitfenster für die Lagerung von Atemschutzgeräten, Masken und andere Schutzausrüstung verpasst haben. Und Staatsbeamte, die vom Versagen der Bundesregierung die Nase voll hatten, begannen, ihre eigenen Vorräte aufzutreiben.“ So berichtete die Zeitung „Washington Post“.

4. Fehlende Test-Kits

Obwohl die HHS und andere Behörden als erste den Ernst der Pandemie erkannten, wurden ihre Handlungen später verurteilt. Die New York Times berichtete, dass die HHS und die CDC, die für die Pandemie verantwortlich seien, die kritische Phase der Virusfrüherkennung vergeudet hätten.

Am 29. Januar wurde die COVID-19-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses eingerichtet, die sich jedoch auf Themen wie die Rückholung von US-Staatsbürgern aus Übersee konzentrierte. Nach Angaben mehrerer Teilnehmer diskutierten die Mitglieder der Arbeitsgruppe in der Regel erst am Ende der Sitzung über den Virustest.

Nach der Entwicklung der Test-Kits hätten diese eigentlich in vollem Maße getestet werden müsse, um mögliche Fehler ausfindig zu machen. Jedoch mangelte es zur Evaluation an ausreichenden Test-Kits. Dieses Unterfangen erlebte sein Waterloo. Laut der „Washington Post“ begann die CDC mit der Erprobung der Tests, doch bis Mitte Februar konnten pro Tag nur 100 Proben getestet werden. Aus Mangel an nötigen Kits musste die CDC die Testgruppen verkleinern, sodass nur enge Kontakte von Infizierten überprüft wurden. Bis Ende Februar waren in den USA weniger als 4000 Personen getestet worden.

5. Verspätete Kontrolle

Trump sagte auf der Konferenz vom 26. Februar noch, dass die Möglichkeit eines großflächigen Ausbruchs in den USA gering sei. Aber die Öffentlichkeit solle auf alle möglichen Situationen vorbereitet sein. Auf die Frage, ob er strengere Maßnahmen, einschließlich Einreisebeschränkungen, ergreifen werde, sagte er, dass dies vorerst nicht der Fall sei und von der Situation abhängen werde. Er betonte, dass „eine COVID-19-Epidemie nicht unvermeidlich ist.“

Während der Pressekonferenz wurde der erste COVID-19-Patient mit unbestimmter Herkunft seiner Krankheit in den USA diagnostiziert.

„Muss die Kontrolle landesweit strenger werden?“ Über diese Frage wurde lange Zeit viel diskutiert, sowohl innerhalb des Weißen Hauses als auch zwischen dem Weißen Haus und den Bundesstaaten.

6. Die stockende Selbstrettung der Staaten

„Im Ernst, wenn wir keine Test-Kits von der CDC bekommen können, werden wir ab morgen in Montana keine Test mehr machen können.“

„Beatmungsgeräte werden dringend benötigt! Wegen der Knappheit an Beatmungsgeräten sterben die New Yorker!“

„Wir brauchen dringend Test-Kits!“

Dies sind offizielle Warnungen der Gouverneur der Bundesstaaten. Aufgrund der langsamen Reaktion der Bundesregierung haben die Bundesstaaten in den USA begonnen, in den „Ausnahmezustand“überzugehen und sich selbst zu retten.

7. Der folgende Monat

Am 20. März überstieg die Zahl der bestätigten Fälle im Bundesstaat New York 8000, was ihn zu einem „Katastrophengebiet“ macht. Da die Zahl der Todesopfer weiter steigt, wird der Platz in den Leichenhallen knapp. Darum werden zur Lagerung der Leichen Kühllastwagen eingesetzt. Neben dem Krankenhaus wurde eine provisorische Leichenhalle gebaut, um auf einen möglichen Anstieg der Todesfälle vorbereitet zu sein.

Die Pandemie breitete sich in Sanatorien aus, in denen es an wirksamer Prävention und medizinischen Ressourcen mangelt. Hilflosen alten Menschen kann nicht geholfen werden.

Mehr als 500 Fälle wurden auf dem Flugzeugträger „Roosevelt“, benannt nach Theodore Roosevelt, dem 26. Präsidenten der Vereinigten Staaten, bestätigt. Ein Matrose starb.

Bei ihrem Besuch auf der Intensivstation des New Yorker Krankenhauses trugen US-Reporter einen kompletten Satz Schutzkleidung, einschließlich Masken und Mundschutz, während die interviewten Krankenschwestern nur einen Müllsack über ihrer Kleidung trugen.

Am 11. April wurden in den USA mehr als 520.000 Fälle bestätigt. Am 12. April 550.000 Fälle. Am 13. April und 14. April jeweils 580.000 und 600.000 Fälle.

Das sind nicht einfach nur Zahlen, sondern Menschenleben.

Zur Startseite

Das könnte Sie auch interessieren