Ich sage mir immer wieder: Das Coronavirus ist längst nicht so gefährlich wie SARS. Und jede große Grippewelle ist viel schlimmer. Zweitausend Infizierte sind gar nichts bei 1,4 Milliarden Menschen in China. Und selbst, wenn es noch mehr werden, was wahrscheinlich ist, ist das noch kein Grund zur Panik. Es hilft natürlich, dass die WHO und Virologen weltweit auch noch keine wirkliche Notlage sehen.
Aber, wenn alle Welt davon berichtet, im Supermarkt alle, also auch man selbst, Masken tragen und Menschen in Schutzanzügen plötzlich nicht nur in Katastrophenfilmen auftauchen, fällt es einem schon ein wenig schwerer, einen kühlen Kopf zu bewahren.
Glücklicherweise handelt die Regierung sehr überlegt und angemessen. Die Chinesen folgen den Anweisungen und sind relativ entspannt. Die Solidarität ist spürbar und die Menschen vertrauen den Seuchenschutzmaßnahmen.
Okay, es gibt in den sozialen Medien natürlich auch den Einen oder Anderen, der großmäulig schon die Apokalyptischen Reiter herbeisehnt. Und einer behauptete tatsächlich, er habe sich bei Bananen mit dem Virus angesteckt. Es machte auch die Meldung die Runde, dass die chinesische Regierung an einem Tag zwischen 4 und 4:30 Uhr, mal morgens oder nachmittags, mit Flugzeugen Chemikalien gegen Viren versprühen würde und Fenster und Türen geschlossen bleiben sollten. Aber diese Meldung landete schnell auf dem Fake-News-Haufen. Denn die Leute wissen, dass die chinesische Regierung so eine Maßnahme offiziell über alle verfügbaren Kanäle ankündigen würde und zwar weit im Voraus. Dubiose Geheimaktionen machen auch tatsächlich keinen Sinn. China lässt sich in die Karten schauen. Und viele Wissenschaftler und Privatpersonen weltweit wollen den engagierten, solidarischen und wissenschaftlich-systematischen Kampf gegen die Ausbreitung des Virus auch unterstützen.
Mein persönlicher Eindruck ist, dass hier eine Regierung alles tut, um effektiv das eigene Volk und alle, die sich in China aufhalten, zu schützen und Panik zu vermeiden.
Wenn jeder Infizierte zwei bis drei weitere Personen ansteckt, so wie es Fachleute annehmen, müssen rund 60 Prozent der Neuansteckungen verhindert werden.
Sicherlich wird die Zahl der Infizierten noch eine Weile ansteigen und die Reisewelle während der Neujahrsfeiertage wird auch noch neue Fälle produzieren. Aber eines ist klar: China hat dieses lästige kleine Virus gut im Griff und die Chinesen machen alle mit. Das bedeutet Menschenmassen und Reisen zu meiden, sich mit Masken und Händewaschen zu schützen, zuhause zu essen und wichtige Informationen zu teilen. Mir ist aufgefallen, dass dies nicht nur ohne Murren geschieht, sondern mit großer Motivation und Freude. Chinesen helfen gerne einander und auch Ausländern wie mir. Tipps und wichtige Informationen werden weitergegeben.
Ohne den Ernst der Lage aus dem Blick zu verlieren, werden auch schonmal ein paar Witze gerissen. Der mit dem Corona-Bier (Corona-Bier, Corona-Virus haha) ist naheliegend. Und klar ist auch, dass eine Fahrt in einem alten Toyota Corona weder eine immunisierende Wirkung hat, noch gefährlich ist.
Heißes Wasser, das chinesische Allheilmittel, hilft hier auch nicht. Was hilft, sind kluge Vorsichtsmaßnahmen, wie Homeoffice, wo es geht, und Temperaturmessungen im Eingangsbereich von Firmen sowie das Schließen von Parks, Museen, Kinos und allen Plätzen und Gebäuden, deren Nutzung nicht unbedingt notwendig ist.
Wenn Chinas großer Kampf gegen diese kleinen tückischen Viren gewonnen ist, wird die Erinnerung an fast reibungslose Maßnahmen, eine große, auch internationale, Solidarität und das Gute, zudem Menschen in Krisen fähig sind, bleiben. Und China wird alle Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem Kampf bereitwillig mit der Welt teilen und helfen, wenn woanders ein kleines tückisches Virus mit Krone (Corona) oder ohne ausbricht.
Nils Bergemann