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Das buddhistische Kloster Fayuan im Fliederduft
   2007-05-29 16:49:09    Seite drucken   cri

In Beijings historischem Stadtkern liegt ein mehr als 1.000 Jahre altes buddhistisches Kloster. Es heißt Fayuan und ist der älteste Tempel in Beijings Stadtzentrum. Heute ist das Kloster der Sitz der Chinesischen Buddhistischen Akademie. Jedes Jahr im Frühling wird im Kloster Fayuan eine Lesung von Gedichten veranstaltet.

Das Kloster Fayuan befindet sich in Beijings südlichem Stadtteil Xuanwu und hat eine Fläche von 6.700 Quadratmetern. Vor etwa 1.300 Jahren hat der Kaiser der Tang-Dynastie den Bau dieses buddhistischen Klosters angeordnet. Die Anordnung der Gebäude in der Tempelanlage entspricht der des Kaiserpalastes. In den Jahrhunderten nach der Fertigstellung wurde das Kloster mehrmals renoviert. Die meisten Gebäude in der heutigen Tempelanlage stammen aus der Zeit der Ming- und Qing-Dynastie und sind rund 500 Jahre alt. Yao Yuan arbeitet in der Verwaltung des Klosters und beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der Klostergeschichte. Er sagt:

"Das Fayuan-Kloster wurde in der Tang-Dynastie erbaut und hat eine 1.300-jährige Geschichte. Um es ranken sich viele kulturell interessante Geschichten. Die Tempelanlage ist sehr komplex und groß. Die größte Besonderheit des Klosters liegt jedoch in seiner langen Geschichte."

In der Halle Dabeitan werden die Kulturgegenstände des Klosters ausgestellt. Hier können unter anderem Buddhastatuen und Steinschnitzereien mit buddhistischen Motiven bewundert werden. Unter all den Exponaten ist eines besonders wertvoll. Es ist die älteste Buddhastatue Chinas. Diese Statue aus Ton wurde während der Östlichen Han-Dynastie vor rund 1.900 Jahren angefertigt. Außerdem gibt es eine 50 Zentimeter große Bronzenstatue eines Boddhisattwas zu sehen. Die Boddhisattwa-Statue thront in der Guanyin-Halle und hat eintausend ausgebreitete Arme und eintausend Augen. Um sie rankt ein Rätsel, das man bis heute nicht lösen konnte: von den Händen der Göttin tropft manchmal Wasser. Über diese Boddhisattwa-Statue erzählt uns der Mönch Zhi-Yong:

"Diese Boddhisattwa-Statue ist massiv und aus Bronze gegossen. Sie ist daher sehr schwer. Die Göttin hat eintausend Arme und eintausend Augen. Die künstlerische Ausgestaltung der Statue ist sehr detailgetreu. Und die Göttin wirkt sehr majestätisch. Ihr Gesicht kann Gläubige inspirieren. Von ihren Händen tropft seit einigen Jahrhunderten manchmal Wasser. Daher besichtigen sehr viele Pilger aus China und sogar aus dem Ausland die Boddhisattwa-Statue. Die Statue zeigt die hohe künstlerische Technik der Ming-Dynastie. Viele Besucher halten die Statue für ausgesprochen bewundernswert."

Seit mehr als 80 Jahren wird jedes Jahr im April im Kloster eine Lesung von Gedichten veranstaltet. Zu dieser Zeit stehen die Fliedersträucher in voller Blüte und verströmen ihren betörenden Duft über das ganze Kloster.

Im April 1914 fand die erste Lesung von Gedichten im Fayuan-Kloster statt. Daran nahmen etwa 100 Menschen teil. Zehn Jahre später besuchte der indische Dichter Rabindranath Tagore auf seiner China-Reise das Jahrhunderte alte buddhistische Kloster. Der Inder hat die Fliederpracht sehr bewundert und schrieb darüber ein Gedicht. Seitdem ist es Tradition, jeden April im Duft der Fliederblüten Gedichte zu schreiben und vorzulesen.

Neben weißem und purpurfarbenem Flieder, die für China typisch sind, gib es in der Tempelanlage auch einen vor 600 Jahren von der Inselgruppe Maluku aus Indonesien hierher gebrachten Flieder.

Fan-Hua ist Mönch des Klosters. Als wir vorbeikommen, fotografiert er gerade mit seiner Kamera eine Fliederblüte, die sechs Blütenstände hat. Er sagt:

"Normalerweise hat eine Fliederblüte nur vier Blütenstände. Diese hat aber sechs. Früher haben wir auch mal Flieder mit fünf Blütenständen gefunden. Aber das war sehr selten. Heute habe ich eine Blüte mit sechs Blütenständen gefunden. Ich bin sicher, dass es ein glückliches Symbol für dieses Jahr ist. Es ist eine angenehme Überraschung."

Es ist halb vier. Die Mönche lesen Sutren in den Hallen. Jeden Tag zu dieser Zeit kommen sie zum Gebet. Wie bereits erwähnt, ist das Kloster auch der Sitz der Chinesischen Buddhistischen Akademie. Heute studieren mehr als 100 buddhistische Studenten im Kloster. Die Chinesische Buddhistische Akademie ist die ranghöchste buddhistische Lehranstalt Chinas. Der Unterricht findet im Hof nebenan statt. Nach dem Unterricht kommen die buddhistischen Studenten herüber und beteiligen sich am Vorlesen der Sutren und an der Gebetszeremonie. Fan-Hua hat die Chinesische Buddhistische Akademie absolviert. Er ist sehr stolz darauf:

"Das Fayuan-Kloster ist etwas Besonderes. Es hat eine lange Tradition und viel Kultur. Es ist für mich eine Ehre, in diesem Kloster Mönch zu sein. Die Mönche hier halten seit 1.000 Jahren jeden Tag die Gebete streng ein. Wir meditieren heute noch genau so wie die Mönche vor einigen Jahrhunderten. Das Leben als Mönch hier ist ein Prozess des Lernens und des Empfindens. Das ist ein einmaliges Erlebnis für mich. Viele Mönche träumen davon, eines Tages hier zu meditieren. Und ich habe hier meine innere Ruhe gefunden und fühle mich frei in diesem Kloster."

Die Touristin Carla Prevato aus Italien besucht mit ihrer Familie zum ersten Mal das Kloster Fayuan. Sie erzählt von ihrem Eindruck:

"Ich habe früher nie von diesem Kloster gehört. Heute sind wir ganz zufällig hierher gekommen und haben das Kloster besichtigt. Die Tempelanlage ist wunderschön und vermittelt einen friedlichen und ruhigen Eindruck."

Reisetipps:

Das Kloster befindet sich an der östlichen Seite der Gasse Jiaozi-Hutong im Stadtteil Xuanwu.

Der Eintritt kostet 5 Yuan RMB.

Die beste Reisezeit: zwischen Ende des Frühlings und Anfang des Sommers.

Die Lesung von Gedichten in der Fliederpracht findet jährlich am 10. April statt.

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