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Wohnviertelkultur im Internet in China
   2007-03-09 18:07:03    Seite drucken   cri
Mit der zunehmenden Verbreitung des Internets sind in Chinas Großstädten "Internet Wohnviertel" entstanden. Diese "Internet-Wohnviertel" bilden die realen Wohnviertel quasi im Netz ab, die Bewohner verschiedener Wohnviertel können sich nun aber übers Internet einfach und schnell austauschen. Auf diesem Wege werden zum Beispiel Einkaufstipps und Unterhaltungsmöglichkeiten ausgetauscht, Dienstleistungen werden angeboten.

Im Westen Beijings ist in den vergangenen Jahren ein modernes Wohnvietel namens "Yuanyang Shanshui" entstanden. Mit einer gesamten Baufläche von mehr als 1,5 Millionen Quadratmetern sind zahlreiche Wohnhäuser entstanden, 40.000 Menschen sollen hier ihr Zuhause finden. Noch bevor die ersten Bewohner eingezogen waren, entstand im Jahr 2004 ein Internet-Forum der Anwohner. Mittlerweile haben sich mehr als 5.500 Nutzer registriert. Die Anwohner brauchen nur ihren Internet-Namen und ihre Hausnummer anzugeben, um im Forum aktiv zu sein. Ein Anwohner aus dem Haus Nummer sieben erklärt:

"Das Internet, vor allem aber das Wohnviertel-Forum, bietet den Bewohnern eine Plattform, um neue Bekanntschaften zu schließen und Meinungen auszutauschen. Es kommt oft vor, dass man im Forum einen interessanten Gesprächspartner findet, den man überhaupt nicht persönlich kennt. Selbstverständlich ist es nicht das gleiche wie ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht, aber es ist auf jeden Fall eine sehr hilfsreiche Einrichtung. Man hat die Möglichkeit, über das Internet neue Freunde zu finden, und das ist in den großen, etwas anonymen Städten besonders wichtig. Meiner Meinung nach sind die Wohnviertel-Foren auch deshalb entstanden, weil die Anwohner nach Möglichkeiten zum Austausch suchen. Einige suchen bestimmt auch einen neuen Freundeskreis, vor allem, wenn sie neu in der Stadt sind. In meinem Wohnviertel sind inzwischen mehrere Internet-Foren entstanden."

Noch in den 1970er und 1980er Jahren wohnten die meisten Chinesen in einstöckigen Häusern beziehungsweise in den traditionellen Wohnhöfen. Die Menschen pflegten enge Beziehungen zu ihren Nachbarn. Dem deutschen Sprichwort: Nachbarschaft ist halbe Verwandtschaft, verwandt ist die chinesische Weisheit: Der nahe Nachbar ist besser als der entfernt wohnende Verwandte. Im Zuge der fortschreitenden städtischen Entwicklung ziehen immer mehr Menschen in Hochhäuser, die Bewohner leben zunehmend hinter verschlossenen Türen. Dieses Phänomen ist in der chinesischen Hauptstadt Beijing besonders ausgeprägt.

Als politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Chinas zieht Beijing Menschen aus den verschiedenen Landesteilen und sogar aus dem Ausland wie ein Magnet an. Beijing ist seit den 1990er Jahren die Zuzugsstadt Nummer eins. Unzählige Menschen strömen in die Hauptstadt Beijing, auf der Suche nach besseren Arbeitsplätzen oder besseren Studienmöglichkeiten. Viele von ihnen haben sich in Beijing niedergelassen und Wohnungen gekauft. Dadurch entstehen auch immer neue Wohnviertel und zunehmend mehr Internetforen von Wohnvierteln. Die Internet-Foren geben den Anwohnern ein bisschen verloren gegangene nachbarschaftliche Wärme zurück.

In den Wohnviertel-Foren kann man sich auch über Probleme und Schwierigkeiten austauschen, meist bekommt man sehr schnell Antworten auf seine Fragen. Daneben kann man über Hobbies sprechen und Bekanntschaften schließen. Alle Wohnviertel-Webseiten bieten verschiedene Rubriken an, beispielsweise Politik, Nachrichten, Tourismus, Lesetipps, Finanzhilfen, Tipps zur Kindererziehung und Spiele.

Die Nutzerin "Blauer Seidensamt" wohnt im Wohnviertel "Tiantongyuan". Sie kocht leidenschaftlich gern. Jetzt bringt sie jungen Leuten übers Internet Kochen bei, oft lädt sie andere Hobbyköche aus der Nachbarschaft ein, die von ihr zubereiteten Spezialitäten zu genießen. Die Nutzerin "Blauer Seidensamt" ist unter den Internetnutzern des Wohnviertels sehr beliebt. Mittlerweile war sie sogar schon bei einer Kochsendung im Fernsehen zu Gast. Der Zuspruch ihrer vielen Fans hat ihr Selbstvertrauen gestärkt. Sie hat sich entschieden, ihren Job in der Verwaltung aufzugeben und in die Gastronomie zu wechseln. Und sie hat schon einige sehr kreative Ideen, sie will beispielsweise einen privaten Gourmet-Blog einrichten:

"Die Webseite des Wohnviertels bietet mir eine optimale Plattform, um meine Kochkunst bekannt zu machen. Jeden Mensch braucht die Anerkennung seiner Mitmenschen. Sie kann einen an schwierigen Tagen trösten und sie schafft innere Zufriedenheit. Ich habe immer Angst, wenn ich etwas allein entscheiden soll. Aber da mich so viele Menschen unterstützt haben und mir Mut gemacht haben, fühle ich mich jetzt sehr wohl mit meiner Entscheidung."

In einem sehr großen Wohnviertel im Norden Beijings, in "Huilongguan", ist auf Initiative einer Bewohnerin eine Kinderbibliothek entstanden. Die Forumsnutzerin "Blauer Vogel" hat sich dafür stark gemacht. In ihrem Wohnviertel stehen auf einer Gesamtfläche von über acht Millionen Quadratmetern unzählige moderne Wohnhäuser, das Wohnviertel-Internetforum zählt mehr als 170.000 registrierte Nutzer. Die Webseite dieses riesigen Wohnviertels hat knapp 100 einzelne Rubriken. Die Anwohner des Wohnviertels nutzen die Internetseite aber hauptsächlich, um Kontakte zu knüpfen. Dadurch fühlen sie sich alle deutlich wohler, ihre Lebensqualität verbessert sich durch den Abbau der Anonymität. "Blauer Vogel" erzählt uns:

"Da unser Viertel gerade erst entstanden ist, gibt es hier noch keine Kinderspielplätze oder Kinderzentren. Wir müssen bei Null anfangen. Wir können aber nicht einfach abwarten, bis etwas passiert, dann sind unsere Kinder groß. Da hatten wir die Idee, unsere Internetnutzer aufzufordern, Kinderbücher zu spenden, damit wir eine Kinderbücherei einrichten können. Dieser Vorschlag wurde von vielen Anwohnern unterstützt. Einige Bücherfans haben sogar neue Bücher gespendet."

Die Internetseite des Wohnviertels Huilongguan bietet sogar eine Hotline zu Kinderkrankheiten, daneben werden auch Vorträge über gesunde Geburtsmethoden angeboten. Das Internet spielt demnach von Tag zu Tag eine wichtigere Rolle im Leben der Beijinger. In der großen Stadt fördert es immer stärker die Solidarität in der Nachbarschaft.

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