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Regisseur Liu Jie
   2007-03-01 15:40:17    Seite drucken   cri

Der 38-jährige Liu Jie hat für sein Regiedebüt "Courthouse on the Horseback" den Orizzonti-Preis auf dem 63. Filmfestival in Venedig gewonnen. Das hatte der junge Regisseur nicht erwartet. Aber über eine solche Überraschung freut sich natürlich jeder.

Liu Jie ist Kameramann und ziemlich bekannt auf diesem Gebiet. Ursprünglich wollte er Maler werden. Aber noch während er die Mittelschule besuchte, wurde er von einem Film eines berühmten Regisseurs sehr berührt, der die Landschaft, Sitten und Gebräuche im chinesischen Nordwesten darstellte. Die malerischen Bilder vom idyllischen Leben im Film veranlassten ihn, am Filminstitut in Beijing Fotografie zu studieren.

Anfang der 90er Jahre wurden den Studenten Arbeitsstellen vom Land zugeteilt. Als Liu Jie das Filminstitut abschloss, fand er keinen Arbeitsplatz in einer der staatseigenen Filmstudios. Aber er wollte seinen Traum vom Film nicht aufgeben. Deshalb beschloss er, mit anderen zusammen, privat und auf eigene Kosten, Filme zu drehen. Das barg in jener Zeit viele Risiken und war für die meisten Menschen unvorstellbar. Liu Jie lernte in dieser Zeit jedoch viel. Er sagt:

"Weil ich Fotografie studiert habe, war für mich natürlich der Beruf als Kameramann nahe liegend. Leider habe ich keine Chance gehabt, in einem Filmstudio zu arbeiten. Ich fürchtete deshalb, dass ich dieses Gebiet verlassen und etwas anderes tun müsste. Ich wollte es natürlich nicht. Deshalb habe ich mich für die private Filmproduktion entschieden. Zufällig habe ich den Regisseur Wang Xiaoshuai kennen gelernt, der gerade sein Filmstudio verließ. Wir beiden fingen an, gemeinsam privat Filme zu produzieren. Seitdem haben wir über zehn Jahre zusammengearbeitet, er als Regisseur, ich als Kameramann."

Der Partner von Liu Jie, Wang Xiaoshuai, ist ein in ganz China bekannter Regisseur. Seine Filme handeln vom realen Leben. Besonders aufmerksam verfolgt er das Schicksal und die Bemühungen der einfachen Leute. Liu Jie als sein Kameramann wird davon sehr beeinflusst.

Doch nur durch einen Zufall beschloss Liu Jie, selbst einen Film zu drehen. Im Jahr 2003 ist er auf Dienstreise in der südwestchinesischen Provinz Yunnan gewesen. In der abgelegenen Gemeinde namens Ninglang machte er Station. Die Gemeinde befindet sich in einem unwegsamen Berggebiet und ist sehr arm und rückständig. Um den einheimischen Bauern unnötige Prozesskosten zu ersparen und sie trotzdem juristisch zu beraten und gerecht zu behandeln, gehen die Richter zu den Bauern. Sie kommen mit dem Staatswappen und reiten in Bergdörfer, zu denen es keine anderen Verkehrsverbindungen gibt. Dort verhandeln sie die anstehenden Fälle an Ort und Stelle. Während des Prozesses erklären sie oft den Bewohnern die rechtlichen Regeln und Bestimmungen. Davon wird Liu Jie sehr berührt und fährt noch sechs Mal dorthin, um das echte Leben der Einheimischen zu erleben. Anschließend beschließt er, das reale Leben in einem Film zu zeigen. Liu Jie sagt:

"Ich hatte hier die einmalige Chance, mich auf die lokalen Justizfragen zu konzentrieren. Der Film kann mehr oder weniger zum Nachdenken anregen. Was ich zeige, ist kein Einzelfall. In fast allen abgelegenen Dörfern Chinas begegnet man diesem Problem. Gesetzanwendung und Gerichtsverhandlungen für die Bewohner der ländlichen Gebiete sind wirklich schwierig. Dieses Problem wurde aber noch nie gezeigt. Ich wollte gerade dies durch den Film sichtbar machen."

Der Film "Courthouse on the Horseback" erzählt, wie die Richter in der Bergregion die Gesetze anwenden und verbreiten. Dabei werden das echte Leben und die realen Schwierigkeiten gezeigt. Weil das Thema zu ernsthaft ist, erregt es kein Interesse bei den Investoren. Sie erwarten keinen Erfolg an der Kinokasse. Allerdings fühlt sich Liu Jie aufgerufen, die Bauern der abgelegenen Regionen und ihr Leben dem Publikum nahe zu bringen. Wegen knapper Gelder verwendet er sein für die Hochzeit Gespartes für die Filmaufnahmen. Schon bei der Premiere weckt der Film das Interesse der Sozialwissenschaftler, der Regierung und der Justiz. Als er auf dem 63. Filmfestival in Venedig gezeigt wird, gewinnt er den Orizzonti-Preis. Liu Jie ist sicher, die Darstellung des realen Lebens im Film habe die Zuschauer erschüttert. Er sagt:

"Viele Zuschauer haben den Eindruck, das Leben im Film sei weit entfernt von ihrem Leben. Sie haben nie darüber nachgedacht und auch nie einen ähnlichen Druck gehabt. Mitarbeiter der Gerichte und anderer Justizeinrichtungen hingegen finden sich im Film wieder. Sie können den Film bestens verstehen. Es ist eine ziemlich raue Realität in China und auch ein unvermeidbarer Weg beim Aufbau eines demokratischen Rechtssystems."

Liu Jie hat nicht erwartet, dass sein erster Film beim Filmfestival in Venedig einen Preis gewinnen kann. Aber die Juroren nehmen diesen Film sehr positiv auf. Sie sind vom Gefühl und vom Charakter der Filmfiguren tief berührt. Der Film lässt den Zuschauer über die einzigartige Sozialstruktur Chinas und die Koexistenz verschiedener Sozialschichten in einer Gesellschaft nachdenken. Liu Jie ist dankbar, dass die Juroren seine Intention verstehen.

Vom Kameramann zum Regisseur. Liu Jie begegnet seinem ersten Erfolg ganz ruhig. Er sagt, zurzeit gebe es in China nicht viele Filme, die das reale Leben gut darstellen. Er will deshalb mehr Filme drehen, die das Leben der einfachen Leute, ihren Kummer, ihre Freude und ihre Sehnsüchte widerspiegeln.

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