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Olympische Reise durch die Zeit (28)
   2007-02-17 10:05:46    Seite drucken   cri

In den letzten Sendungen haben Sie erfahren, welche Wettkämpfe in den ersten vier Tagen der antiken Olympischen Spiele ausgetragen werden. Am letzten Tag der Spiele steht noch eine Disziplin aus: das Pankration oder der Allkampf, eine Mischung aus Boxen und Ringen, erweitert um einige ausgesuchte Gemeinheiten. Dieser brutalste Sport der Antike steht beim Publikum ganz hoch im Kurs.

Im Beisein von Vater Diagoras, Bruder Damagetos und dem berühmten Dichter Pindar stellt sich Akusilaos seinem Gegner. Die Athleten treten mit bloßen Händen an. Bandagen sind hier verpönt. Gekämpft wird auf weichem Sand, bei anderer Gelegenheit auch auf feuchtem Lehmboden. Der Sieg kann nur durch K.o., Aufgabe oder Tod des Gegners errungen werden.

Die Methoden reichen vom Treten bis zum Knochenbrechen, von der Beinschere bis zur Strangulation. Zwar ist es nicht das erklärte Ziel, sein Gegenüber umzubringen, doch der Tod kämpft immer mit. Hat der Unterlegene vortrefflich gekämpft und seinen Einsatz mit dem Leben bezahlt, kann sogar seinem Leichnam der Olivenzweig zuerkannt werden.

Pankration war also ein sehr brutaler Sport. Es lässt sich mit dem heutigen Ultimate Fighting vergleichen. Außer Augenausstechen und Beißen war eigentlich alles erlaubt.

Auch das Bohren ist eigentlich untersagt, kommt jedoch wie die anderen verbotenen Techniken gelegentlich zum Einsatz. Dabei bohrt der unfaire Kämpfer seine Hand beispielsweise durch die Bauchdecke des Gegners und reißt ihm innere Organe heraus.

Prinzipiell nutzen die hellenischen Kämpfer jede Chance, den Gegner niederzuringen und ihn zur Aufgabe zu zwingen. Tritte in die Genitalien gehören ebenso zum schmerzhaften Standard wie Würgegriffe oder das Auskugeln von Armen und Beinen. In Kategorien wie Fair Play denkt der altgriechische Kampfsportler nicht.

Akusilaos schwächt seinen Gegner schließlich mit einigen Tritten derart, dass er ihn zu Boden werfen und mit einem gefährlichen Fußgriff zur Aufgabe zwingen kann. Hätte der Unterlegene nicht rechtzeitig den Finger gehoben, wäre ihm womöglich der Fuß abgedreht worden. So hat er doch Glück im Unglück. Viele Kampfsportler verlassen Olympia als hilflose Krüppel oder überleben die Finalrunde nicht.

Für Akusilaos hat sich der Einsatz gelohnt. Er geht in die olympischen Annalen ein und bleibt wie sein Vater und sein Bruder unvergessen. Stolz kann er dem abschließenden Waffenlauf zusehen, bei dem die Wettkämpfer in voller Kriegsmontur unter der sengenden Sommersonne einen Stadionlauf absolvieren.

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