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Olympische Reise durch die Zeit (24)
   2007-01-22 14:41:53    cri
Der einfache Stadion-Lauf ist die älteste Disziplin der Olympischen Spiele. Die Distanz betrug192,27 Meter. Die Athleten traten, anders als Wettkämpfer im Hippodrom, nackt an - ein Umstand, der zu vielen Spekulationen geführt hat.

Bei den Vorläufen am Vortag konnte sich neben sieben anderen Läufern Kriton aus Sizilien für das Finale qualifizieren. Doch bevor sie um olympische Ehre sprinten, haben sich die Läufer vor den Kampfrichtern zu einem kurzen morgendlichen Zeremoniell einzufinden. Erst danach treten sie an die steinerne Startschwelle.

Die Startschwelle besteht aus gefurchten Steinplatten, die den Füßen Halt geben. Da der Sprint zu den gymnischen (gymnos = nackt) Disziplinen zählt, erscheinen die Läufer unbekleidet. Über den Grund für die Nacktheit im Stadion streiten die Gelehrten bis heute. Vermutlich trugen die Athleten in früheren Zeiten einen Lendenschurz. Dann soll einer von ihnen während des Laufes das knappe Kleidungsstück verloren und nackt gesiegt haben. Das ließ die Läufer glauben, ohne Kleidung schneller sein zu können.

Eine andere Version hält einen Unfall für die Ursache. Ein Läufer soll den Lendenschurz verloren haben und über ihn gestolpert sein. Als vorbeugende Maßnahme sei daraufhin Nacktheit angeordnet worden. Als dritte Möglichkeit wird Druck aus Sparta angenommen. Die Athleten des Stadtstaates trieben als erste nackt Sport und könnten ihren "Stil" bei den Olympiaden durchgesetzt haben. Keine der Mutmaßungen lässt sich jedoch beweisen.

Viele moderne Athleten können sich nur schwer vorstellen, nackt zu sprinten - weniger aus Scham als aus praktischen Gründen. Beim Laufen schlagen die empfindlichen Genitalien gegen die Schenkel und gegeneinander. Das ist schmerzhaft und mindert die Leistung. Angeblich haben die alten Griechen das Problem zumindest teilweise entschärft. Sie sollen die Vorhaut mit einer Schnur vernäht haben, die sie um die Hüften trugen. So konnte der Penis nicht auf die Hoden schlagen.

Die Sprinter starten stehend. Eine quergespannte Leine soll Fehlstarts verhindern. Wer zu früh losläuft und die Leine berührt, muss schwer büßen. Auf Fehlstart steht Auspeitschen durch einen Schiedsrichter - eine Strafe, die sonst nur bei Sklaven angewandt wird. Vor den Augen des Publikums, der Priesterin und des Zeus geprügelt zu werden, ist für einen freien Griechen eine furchtbare Entwürdigung.

Für Krison und seine Kontrahenten geht es um viel mehr als um einen geflochtenen Olivenzweig. Den Sieger des Stadionlaufs erwarten satte Belohnungen. Die Olympiade, zu der die Spiele gehören, wird nach ihm benannt werden.

Das Startsignal gibt entweder ein Herold mit einer Trompete, oder ein Schiedsrichter ruft: "apite! (los)". Krison überquert als Erster die Ziellinie. Damit ist er Olympionike und einer der ersten Sportmillionäre der Geschichte.

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