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2500 Jahre alter Sarg freigelegt
   2006-12-20 15:25:07    cri
In dem Dorf Feilong bei der Stadt Heshan im Landkreis Pujiang in der Provinz Sichuan wurde ein 2500 Jahre alter bootsförmiger Sarg freigelegt. Der Sarg barg unter anderem zahlreiche kulturelle Objekte. Von dem Fund erhofft man sich Aufschlüsse über die wahre Geschichte eines früheren Königreichs in der Region. Der Sarg wurde am 5. Dezember von Arbeitern auf einer Baustelle entdeckt, als sie in 1,5 Metern Tiefe Erdreich aushoben.

Der Landkreis Pujiang war Teil des Shu-Königreiches, das bis heute als mysteriös gilt, da über seine Geschichte und Kultur vor 2500 Jahren keine schriftlichen Berichte übermittelt sind.

Laut Liu Yumao, einem Experten des Chengduer Instituts für Archäologie, stammt der Sarg aus der Zeit der Streitenden Reiche (475-221 vor Chr.) und besteht aus sieben Meter langen Stücken einer seltenen Holzart Nanmu. Der Sarg hat einen Durchmesser von 1,6 Metern. Das Holz wurde in zwei Teile gespalten und in der Mitte ausgehöhlt. In den Hohlraum wurden der Leichnam und die Grabbeigaben gelegt.

Die Archäologen entdeckten neben dem Sarg zwei bronzene Kessel und sogenannte "duns" sowie eine Anzahl von Stücken zerbrochener Bronzegegenstände, die vermutlich ebenfalls von Kesseln stammen.

Bronzene Kessel und "duns" waren in der Zeit der Streitenden Reiche verwendete Weingefäße und sind in der Provinz Sichuan bisher nur selten ausgegraben worden, sagt Liu. "Nach ihrer Erscheinung zu urteilen, sind sie charakteristisch für die Kultur des Chu-Staates und stammen vermutlich aus den Provinzen Hubei oder Hunan."

Derartige Bronzegegenstände hätten sich nicht im Besitz einfacher Familien befunden, daher gehöre das Grab wahrscheinlich einer adeligen Familie des Shu-Königreiches, sagt Liu.

Nach dem Abheben des mehrere Tonnen schweren Sargdeckels mit Hilfe eines Krans stellten die Archäologen fest, dass viel Schlamm durch ein von Grabräubern in den Deckel geschnittenes Loch in den Sarg eingedrungen war.

In dem Sarg wurden Hunderte von Grabbeigaben entdeckt, darunter Bronzegegenstände, Lackwaren, Keramik und Holzgegenstände. Der Fund gilt als einer der bisher größten in China.

"Die Lackwaren sind großartig", sagt Jiang Cheng, stellvertretender Direktor des Chengduer Instituts für Archäologie. "Die aus Holz und Bambus sind farbenfroh und schön in der Form."

Lackwaren waren in der Zeit der Streitenden Reiche, ähnlich den Bronzegegenständen, ziemlich wertvoll, und daher nur dem Adel zugänglich, sagt Jiang.

Die Archäologen haben in dem Sarg außerdem aus Bronze hergestellte Speere, Messer, Ringe und Schwerter entdeckt. Auch wurden in dem Grab große Mengen Samen und Kerne gefunden. Durch Grabbeigaben in Form von Samen und Kernen, erhofften Menschen in der Antike, dem Verstorbenen ein wohlhabendes Leben in der anderen Welt sichern zu können, erklärt Jiang. Botaniker werden die Samensorten feststellen.

Unter den entdecken Objekten befinden sich ein gut erhaltener Holzkamm, eine brückenförmige Münze sowie ein Siegel aus schwarzer Jade und ein münzförmiges "Bashutuyu" Siegel.

Das münzförmige "Bashutuyu" wurde bei der Beseitigung von Schlamm unter dem Sarg entdeckt. Das Siegel besteht aus Bronze und ist beidseitig mit Zeichen in Siegelschrift versehen, die dem Schriftzeichen für "König" ähnlich sind. Außerdem ist es an der Ober- und Unterseite mit an Knospen erinnernde Strukturen verziert.

Derartige Siegel wurden bereits zuvor in den Landkreisen Xuanshan und Xingjing in Sichuan entdeckt, bleiben aber ein Rätsel der chinesischen Archäologie, sagt Liu. "Die Kontroverse dreht sich nun darum, ob es sich um geheimnisvolle Schriftzeichen in antiken Gebieten der Ba und Shu handelt oder um primitive Symbole der Zauberei oder aber um Kennzeichen verschiedener Familien."

Ba und Shu waren zwei antike Staaten in der Provinz Sichuan. Die Ba lebten in der Gegend um die heutige Provinzhauptstadt Chengdu, während die Shu in dem Gebiet um Chongqing ansässig waren.

"Durch eine Reihe archäologischer Entdeckungen erwies sich, dass die Menschen in den Gebieten der Ba und der Shu sich bereits vor der Qin-Dynastie (221-206 vor Chr.) einer entwickelten Zivilisation erfreuten. Aber es wurden keine Aufzeichnungen gefunden, die das erklären."

"Wenn wir die Siegel entschlüsseln können, dann können wir das Rätsel lösen. Diese wäre bedeutend für das Verständnis des Ursprungs und der Entwicklung der Ba-Shu-Kultur", sagt Liu.

Die brückenförmige Bronzemünze stammt aus der Frühling- und Herbstperiode und der Zeit der Streitenden Reiche. Diese Münzen sind sehr selten. Sie hat die Form eines halben Rings und ist mit einer schrägen Aderung und einer im Karomuster versehen. Diese Münzen werden "Brückenmünzen" genannt, da sie traditionellen chinesischen Steinbrücken ähneln.

Neben der brückenförmigen Münze wurden einige weitere Bronzemünzen einer während der Zeit der Streitenden Reiche verwendeten Währung gefunden, in die die beiden chinesischen Zeichen ban liang eingeprägt sind.

Das schwarze Jadesiegel hat 10 Zentimeter Durchmesser und ist auf der Oberfläche mit knospenähnlichen Verzierungen versehen. Jade war im antiken China nur dem Adel vorbehalten. Dies sei ein weiterer Beleg dafür, dass das Grab einem Adeligen des Shu-Königreiches gehörte, meint Liu.

Laut Long Teng, einem Archäologen des lokalen Instituts für Denkmalschutz, ist der wertvollste in dem Grab gefundene Gegenstand ein 2 Meter 10 langes hölzernes Ruder mit farbigen Bemalungen.

Dieser Fund könne bei der Kontroverse um die Frage, ob man den Sarg als "Bootssarg" oder schlicht als "Holzsarg" bezeichnen solle, hilfreich sein. Viele Experten bevorzugten die Bezeichnung Bootssarg, hatten hierfür aber bis zum Fund des Ruders keine fundierte Begründung.

"Bei weiteren archäologischen Ausgrabungen werden in dieser Gegend noch andere bootsförmige Särge gefunden werden", meint Long.

Bootsförmige Särge wurden in den für die antike Ba-Shu-Kultur typischen Beerdigungen verwendet. "Die Entdeckung ist von großem Wert für das Studium des Ursprungs und der Entwicklung der Kultur sowie des wirtschaftlichen Austauschs des Shu-Königreiches", meint Long.

Historische Aufzeichnungen zeigen, dass die Menschen des Shu-Königreiches entlang von Flüssen lebten und Boote Teil ihres Lebens waren. Dies erkläre die für Särge bevorzugte Bootsform, sagt Long.

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