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Eines der verbleibenden Weltcuprennen des Jahres 2006 führte die Weltelite der Triathleten schon mal in die Olympia-Stadt für 2008 nach Beijing. Am 23. und 24. September konnten sie am Ming-Gräber-Reservoir in einem nördlichen Vorort von Beijing die ersten Qualifikations-Punkte für die Olympischen Spiele 2008 sammeln. Zudem hatten die Athleten die Gelegenheit, die Streckenführung für 2008 und die Wettkampforganisation schon in der Vorbereitung kennen zu lernen, denn der Triathlon fand auf der offiziellen Olympischen Strecke statt.
Diese Voraussetzungen zogen die Spitzentriathleten dieser Welt nach Beijing. Bei den Männern fehlte kaum einer der 70 Besten. Am Ende sicherte sich der Franzose Frederic Belaubre Gold bei den Männern, bei den Frauen krönte die Weltranglisten-Erste, die Portugiesin Vanessa Fernandes, ihre Saison. Der neue Weltmeister Frederic Belaubre äußerste sich höchst positiv über die Wettkampforganisation und die Streckenführung. "Dieser Triathlon ist anspruchsvoll, aber die Strecke ist dennoch optimal gewählt. Ich finde auch diese Stelle hier absolut passend für einen Olympischen Triathlon", erklärte er. Im vergangenen Jahr hatte der US-Amerikaner Hunter Kemper den Triathlon-Weltcup in Beijing gewonnen, auch diesmal ging er wieder an den Start:
"Schon beim Rennen im vergangenen Jahr war die Streckenführung äußerst professionell. Es war damals der erste Triathlon-Weltcup, der jemals in China ausgetragen wurde, da hatte es schon überrascht, dass die Strecke so ausgezeichnet war. Darauf könnt Ihr wirklich stolz sein".
Beim Triathlon, einem sportlichen Dreikampf, müssen drei Disziplinen über eine festgesetzte Distanz und in einer vorbestimmten Reihenfolge sowohl von den Männern als auch von den Frauen absolviert werden: 1,5 Kilometer Schwimmen (nach Möglichkeit in natürlichen Gewässern, Meer, See), 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. Aufgrund der großen Distanzen, die die Athleten in unterschiedlichen Sportarten zurücklegen müssen, braucht man, um einen Triathlon auszurichten, ein relativ großes Areal. Nach einigen Begehungen in der Umgebung von Beijing hat die ITU, die Internationale Triathlon Union, im Mai vergangenen Jahres beschlossen, den Olympischen Triathlon im Gebiet um das Ming-Gräber-Reservoir im nördlichen Beijinger Vorortbezirk Changping abzuhalten. Die ITU schlug zudem vor, dass Beijing von 2005 an jährlich einen Spitzenwettkampf ausrichten solle, damit man die Strecke und die Wettkampforganisation vor den Spielen 2008 in ausreichendem Maße testen könne.
Die Sportart Triathlon entwickelte sich erst in den 1970er Jahren. Allerdings gewann dieser Outdoor-Sport, bei dem der Sportler an die Grenzen seiner Belastbarkeit geht, weltweit schnell zahlreiche Anhänger. Im Jahr 2000 wurde der Triathlon erstmals bei den Olympischen Spielen in Sydney ausgetragen. Die neue Olympische Sportart zog 50.000 Zuschauer an und begeisterte sie. Die Streckenführung ist bei dieser Sportart zum einen für die Athleten sehr wichtig, andererseits ist sie aber auch für die Zuschauer entscheidend. Wichtig ist aber auch, dass die Strecke trotz aller Zuschauerfreundlichkeit für die Sportler anspruchsvoll genug ist. Des Weiteren muss darauf geachtet werden, dass eine gute Fernseh-Übertragung von der Strecke möglich ist. Anspruchsvolle Triathlonstrecken sollten ein gewisses natürliches Höhenprofil haben. Die Internationale Triathlon Union machte nach dem Weltcup im vergangenen Jahr noch einige Änderungsvorschläge bezüglich der Strecke, um die geforderten Bedingungen noch besser erfüllt zu wissen. Dazu der Vizepräsident des chinesischen Triathlon-Verbandes, Qi Jun:
"Wir haben vor allem über die Streckenführung, den Start-Ziel- Bereich und die dazugehörige Sportstätte diskutiert. Es ging hauptsächlich darum, wie wir die Bedürfnisse der Fernsehteams und der Zuschauer befriedigen können. Im vergangenen Jahr waren die Sportler sehr zufrieden mit der Rennstrecke. Sie waren hoch erfreut, dass sie sich in einer so schönen Landschaft verausgaben dürften."
Damit die Zuschauer bei diesem Erlebnis wirklich hautnah dabei sein können, hat man 4.000 Sitzplätze am Fuß des Staudamms geschaffen, erklärte der Sportfunktionär. Bis 2008 sollen an dieser Stelle 10.000 Platze und provisorische Zuschauertribünen entstehen.
Da die Strecke als Kreis angelegt ist, können die Zuschauer von ihren Plätzen aus sowohl das Schwimmen, als auch den Wechsel aufs Rad und später zum Laufen von ihren Plätzen aus verfolgen. Auf dem Rad müssen die Athleten sechsmal an den Zuschauertribünen vorbei, beim Laufen viermal. Entlang der Strecke wurden vier Zuschauerbereiche eingerichtete, die man zu Fuß vom Start-Ziel-Bereich aus erreichen kann. Es wurde also dafür gesorgt, dass die Zuschauen diesen spannenden Wettkampf direkt an der Strecke verfolgen können und ihnen nichts entgeht.
Nach dem erfolgreichen Weltcup in diesem Jahr zeigte sich nun auch die ITU mit der Triathlonstrecke rund um das Ming-Gräber-Reservoir zufrieden. Vor der Eröffnung der Olympischen Spiele im Jahr 2008 müsse man zwar noch an einigen Details arbeiten, erklärte der ITU-Wettkampfexperte Gergely Markus, aber im Großen und Ganzen könne man zufrieden sein. Im September des kommenden Jahres ist ein weiterer großer Event als Test für den Olympischen Triathlon auf der Strecke in Gebiet des Ming-Gräber-Reservoirs geplant. Neben der Strecke selbst werden dann auch die Sicherheitsvorkehrungen, die Medienarbeit und die freiwilligen Helfer auf dem Prüfstand stehen. In allen Belangen will man im kommenden Jahr bereits Olympischen Normen genügen.
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