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Das erste Geldhaus in der chinesischen Geschichte - Rishengchang
   2005-10-31 15:55:04    cri
A: Im modernen Wirtschaftsleben spielen Banken zweifelsohne eine wichtige Rolle. Und als Kunden haben wir es bei Ein- und Auszahlungen ebenso mit einer Bank zu tun, wie etwa bei Kreditfragen.

B: Aber wann und wo entstand nun die erste Bank in China? Mit dieser Frage werden wir uns in der heutigen Rubrik chinesische Rekorde beschäftigen, und dabei stellen wir Ihnen dann das erste Geldinstitut in China vor, das Rishengchang hieß.

A: Das Geldinstitut Rishengchang wurde 1823 in der nordchinesischen Provinz Shanxi ins Leben gerufen. Damit entsteht natürlich auch die Frage, warum entstand die erste Bank in China gerade in Shanxi, und nicht irgendwo anders. Geographisch scheint diese relativ abgelegene binnenländische Provinz Shanxi nicht auf den ersten Blick die beste Wahl für die Gründung eines Bankhauses. Ich hätte so ein Geldinstitut eher in Metropolen wie Beijing, Tianjin oder Guangzhou vermutet.

B: Da irrest Du Dich aber. Schließlich hast Du doch sicher schon davon gehört, dass sich die Leute aus der Provinz für geborene Finanzexperten halten. Dahinter steckt wahrscheinlich die lange Tradition von handel und Wandel in dieser Provinz.

A: Na gut, die Geschäftstüchtigkeit der Shanxier gilt als sprichwörtlich. Aber, ich habe auch gehört, dass die Shanxier als mehr oder weniger geizig gelten. Was stimmt denn nun wirklich?

B: Ohne nun den Shanxiern zu nahe treten zu wollen ? aber irgendwie gehört beides doch zusammen, oder nicht? Ja, wie Du eben gesagt hast, wer über den Charakter der Leute aus Shanxi redet, kommt um das Wort geizig" nicht herum. Aber früher galt geizig nicht automatisch als negativ, sondern einfach als sparsam. Und da die Leute in Shanxi sparsam waren, hatten sie Geld übrig, mit dem sie etwas anfangen konnten. Und am besten ließ man es sich vermehren...

A: Na gut, die Leute in Shanxi sind also traditionell sparsam und tüchtig. Offenbar dürften es ja nicht so sehr magische Kräfte gewesen sein, die aus den Shanxiern die ersten Bankiers in China gemacht haben.

B: Genau, und damit nun zurück zur ersten Bank hier in China. Das Geldhaus Rishengchang verschwand zwar nach dem Sturz der Qing-Dynastie, erst wurde es aufgesplittert, und dann ging es unter. Das ehemalige Geldinstitut ist heute ein Museum, das dem Besucher einen Eindruck der ersten Bankaktivitäten sowie Sitten und Gebräuche in Nordchina aus jenen Tagen vermittelt.

A: Frau Gong Li ist seit 2 Jahren als Reiseführerin im Museum Rishengchang tätig. Über die Gründung des Geldinstituts sagte sie,

Rishengchang war eigentlich ein großer Familienbetrieb, der sich hauptsächlich auf den Farbenhandel spezialisiert hatte. Überall im Lande verfügte Rishengchang über Filialen und Lieferanten. Mit der Entwicklung des Farbengeschäfts ging es immer häufiger auch um überregionalen Geldtransfer. Um dabei ebenso Zeit zu sparen wie die Risiken des Geldtransports über weitere Strecken zu minimieren, haben die landesweit verstreuten Filialen der Farbengeschäfte auch begonnen, Geldüberweisungen zu bearbeiten. Und das geschah so: In der Filiale von Rishengchang im Ort A wurde ein Betrag eingezahlt, und diese Einzahlung wurde auf dem Postweg bestätigt. Mit dieser Bestätigung ging der Empfänger im Ort B in die Filiale von Rishengchang und bekam dort sein Geld ausgezahlt, ohne dass bares Geld bewegt werden musste. Rishengchang entwicklete also eine Art hausinternen Scheckverkehr. Derartige Geldüberweisungen waren ursprünglich vertrauenswürdigen Bekannten vorbehalten und gebührenfrei. Aber nach und nach fanden die geschäftstüchtigen Shanxier, dass diese Dienstleistung sehr gefragt war und dass man damit Geld verdienen konnte, und zwar neben dem Farbenhandel. So wurde aus dem ursprünglichen Farbenhandel Rishengchang mehr und mehr ein Geldinstitut.

A: Einige Jahre später hatte Rishengchang dann den Farbenhandel komplett abgegeben, um sich fortan ganz dem Geldgeschäft zu widmen. Dabei vermittelte Rishengchang nicht mehr nur Geldüberweisungen, sondern auch Schuldscheine, Darlehen und Kredite.

B: Da Kredite aber damals in China höchst ungebräuchlich waren, und die Leute traditionell nicht gerne Schulden machten, blieb das Kreditgeschäft bei Rishengchang eher ein Nebenzweig. Die Geldüberweisungen blieben die größte Gewinnquelle.

A: Hier entsteht nun wieder eine Frage: Was hat denn die Kunden schließlich davon überzeugt, dass die Privatbank Rishengchang ihr Geld sicher und rechtzeitig an die Empfänger übermittelt? Waren die Leute da nicht eher skeptisch damals? Am besten, wir fragen da noch mal Frau Gong,natürlich zögerten die Kunden zuerst ein bisschen und hatten vielleicht Angst, dass bei der Geldüberweisung durch ein Farbengeschäft etwas schief laufen könnte. Aber Rishengchang hat mit seinem zuverlässigen Service die Kunden schließlich von seiner Vertrauenswürdigkeit überzeugt. Als traditionsreicher Familiebetrieb hatte sich Rishengchang schon im Farbengeschäft einen guten Namen unter Kunden und Lieferanten gemacht. Hinzu kam nun seine finanzielle Stärke, die das Vertrauen der Kunden wieder untermauert hatte. Die Kunden sahen in Rishengchang nach und nach eine vertrauenswürdige Marke. Rishengchang war in gewissem Sinne zu einem Symbol für Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit geworden.

B: Vertrauenswürdigkeit und finanzielle Stärke haben Rishengchangs Erfolg gesichert. Das Vertrauen der Kunden sei das größte Kapital Rishengchangs, sagte ein Generalmanager des Geldinstituts damals ständig.

A: Zwar waren die Bankaktivitäten Rishengchangs noch relativ beschränkt, aber die höchste Geschäftsmoral, nämlich Vertrauenswürdigkeit, stand bei Rishengchang ganz weit oben.

B: Das stimmt. Bei Rishengchang wusste man damals schon, dass zuverlässiger und vertrauenswürdiger Service der beste Weg zur langfristigen Kundebindung ist. Aber mit dem Untergang der Qing-Dynastie half auch dies nichts mehr. Anfang des 20. Jahrhunderts geriet Rishengchang nach und nach in Krise. Faktoren für den Untergang Rishengchangs waren vielfältig, dazu zählten vor allem die gesellschaftlichen Umwälzungen und andauernden Kriege sowie das beschränkte Geschäftsfeld. Aber der Beitrag Rishengchangs zur Entwicklung des chinesischen Bankwesens ist nicht zu unterschätzen. Dazu noch einmal Frau Gong, Rishengchang hat zwar nur knapp 100 Jahre lang bestanden, aber enorm zur Beschleunigung des Kapitalverkehrs des Landes beigetragen. Bevor Rishengchang seinen Geldüberweisungsservice angeboten hatte, musste man bei einem Geldtransport immer spezielle bewaffnete Wächter dabei haben. Diese rückständige Form des Kapitalverkehrs war nicht nur zeit- und geldaufwendig, sondern barg gleichzeitig auch große Risiken in sich. Mit dem Geldüberweisungsservice hatte Rishengchang den Kapitalverkehr innerhalb des Landes deutlich beschleunigt und die Kosten zwischen Handelspartnern drastisch gesenkt. Damit hat Rishengchang zum ersten Mal in China ein primäres Banksystem aufgebaut und den noch in seinen Kinderschuhen steckenden Kapitalismus vorangetrieben. Und das bedeutete damals einen großen Beitrag zur Modernisierung der gesellschaftlichen Produktion.

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