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"Sein oder Nichtsein" – Ein Interview mit dem Regisseur Luc Perceval
  2010-12-29 13:15:27  cri
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Anfang Dezember hat in Beijing das Lin-Zhaohua-Theaterfestival stattgefunden. Ein Höhepunkt waren dabei sicher die Vorstellungen des Hamburger Thalia Theaters, gezeigt wurde die von Luk Perceval neuinszenierte Version von „Hamlet" – auf Deutsch. Im Anschluß an eine Publikumsdiskussion mit dem chinesischen Regisseur und Organisator Lin Zhaohua fand Luc Perceval Zeit für ein Interview mit CRI. Darin erzählte der gebürtige Belgier unter anderem auch über seinen Zugang zu Asien.

„Ich war in Vietnam, in Thailand, Kambodscha, Indonesien, aber noch nie in China. Und ich bin schon, wie sagt man, von den asiatischen Ländern sehr fasziniert. Nicht nur, weil wir in Westeuropa mehr und mehr konfrontiert werden mit einer Gesellschaft, die sehr unruhig, sehr hektisch und sehr ängstlich wird, aber auch mit der Suche nach einer gewissen Spiritualität, und da mehr und mehr konfrontiert werden mit den eigentlichen asiatischen Traditionen wie Yoga und Meditation und so weiter und so fort.  Und sehr fasziniert bin von der asiatischen Tradition, und natürlich sehr froh bin, dass ich auch einmal die Möglichkeit bekomme, meine Arbeit hier zu zeigen und spüre, dass das, was unsere innere Welten sind und was wir versuchen, auf die Bühne zu stellen, für die Zuschauer hier gar nicht so fremd ist."

Diese Einschätzung traf voll und ganz zu, denn das überwiegend chinesische Publikum zeigte sich am ersten Abend der Vorstellung von „Hamlet" auf Deutsch durchaus begeistert. Trotzdem war der Regisseur auch etwas verwundert:

„Ich war erstaunt, dass das Publikum die Vorstellung als so emotional empfunden hat.  Dass es für viele Zuschauer – heute wurde in dem Publikumsgespräch unter anderem das Wort „erschütternd" gesagt – also ich war überrascht, dass die Emotionalität, die es für die Hamburger bedeutet, dass die gleiche Emotion sich hier vermittelt hat."

Emotionen hat „Hamlet" also nicht nur in Hamburg, wo das Stück bereits gezeigt wurde, ausgelöst, auch in Beijing hat der Inhalt und die Inszenierung das Publikum bewegt. Dabei mussten für die beiden Vorstellungen in der chinesischen Hauptstadt jedoch Veränderungen vorgenommen werden:

Ja, wir haben natürlich das Bühnenbild, das Originalbühnenbild, nicht dabei. Weil das ein ziemlicher Aufwand wäre, das zu transportieren. Wir haben speziell für dieses Gastspiel ein anderes Bühnenbild erfunden, das meiner Meinung nach genauso wirksam ist. Aber wodurch natürlich die Bühne, die Szenographie einen völlig anderen Charakter hat. Ansonsten hat man mir gesagt: Nacktheit geht überhaupt nicht in China. Der Hamlet spielt eigentlich ab dem Moment, wo einer, der junge, sich befreit von dem älteren und aus dem Kostüm; wenn er sich davon befreit, spielt er eigentlich nackt auf der Bühne. Da sind wir ausdrücklich gebeten worden, dass nicht zu tun, das haben wir auch geändert.

Der Regisseur berichtete außerdem von einer weiteren Besonderheit, die bisher Bestandteil aller „Hamlet"-Vorstellungen im Ausland war:

„Überall, wo wir das Stück spielen, rekrutieren wir eigentlich zehn bis fünfzehn Kinder, die wir in der Vorstellung einbauen. Und hier waren das deutschsprachige Kinder, die in Beijing wohnen."

Darauf angesprochen, wie sich das Theater allgemein in China und in Deutschland ähnelt oder vielleicht unterscheidet, sagte Perceval:

„Was ich denke, was das Theater weltweit verbindet, das ist Menschlichkeit. Die Tatsache, dass ein lebendiger Mensch auf der Bühne wahrzunehmen ist, und nicht eine Umsetzung davon in einer Skulptur oder in einer Projektion auf einen eindimensionalen Bildschirm oder so, aber wirklich ein lebendiger Mensch, der wie jeder, der zuschaut, auch jeden Moment tot umfallen kann. Das Fatum kann jeden Moment zuschlagen, kann jeden Moment etwas Fatales auslösen. Das macht Theater universell zu einem sehr kraftvollen Medium: dass es spricht von Mensch zu Mensch. Und in diese Auseinandersetzung gibt es Themen, die - das haben wir gestern gesehen bei „Hamlet" - weltweit wiedererkannt werden. Themen wie Familie, wie Tod wie Liebe, wie Einsamkeit, wie Ängste – das ist etwas, was wir weltweit miteinander teilen "

Um dieses weltweite Miteinander noch besser kennzulernen, hofft Perceval, in Zukunft wieder in China beziehungsweise in Asien tätig zu sein:

„Ich hoffe aber, dass es zu einem intensiveren Austausch kommt, weil wie gesagt mich diese Verbindung zum Osten sehr, sehr fasziniert und ich schon sehr neugierig bin, was noch alles zu entdecken ist voneinander."

Soviel zu dem Interview mit Luc Perceval anläßlich der Vorstellung des von ihm inszenierten „Hamlet" in Beijing. Das gesamte Interview können Sie hier verfolgen:

http://german.cri.cn/1805/2010/12/07/1s148668.htm

Interviewt von: Christoph Limbrunner
Gesprochen von: Li Zheng

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
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