Chen Jiafan sitzt im Zug von Beijing nach Shanghai. Während die Landschaft an ihm vorbeirast, studiert der rüstige Rentner die Broschüre „100 Highlights auf der Shanghaier Expo". Wichtige Informationen über die Pavillons und Restaurants, die er zu besuchen gedenkt, schreibt er in sein Notizbuch. Zwischen einigen Seiten seines Notizbuches finden sich ausgeschnittene Zeitungsartikel und Bilder von den Sehenswürdigkeiten der Expo. Opa Chen aus Beijing hat seinen Expo-Besuch sorgfältig geplant:
"Vor einem Jahr habe ich mit der Vorbereitung auf diese Expo-Reise begonnen. Weil ich gerne fotografiere, habe ich noch einen qualitativ hochwertigen Fotoapparat im Wert von 5.000 Yuan RMB gekauft."
Herr Chen ist schon einige Jahre in Rente. Vor seiner Pensionierung arbeitete er in der Erdölindustrie. Die jahrelange, körperlich harte Arbeit auf der Suche nach neuen Ölvorkommen hat seinen Körper gestählt:
"Eine gute Gesundheit bildet die Grundlage. Ohne diese Grundlage hätte ich nicht zur Expo reisen können. Das Expo-Gelände ist so groß, und es gibt so viele Pavillons."
Wer zur Expo nach Shanghai will, der muss aber auch über das nötige Kleingeld verfügen. Zur Erfüllung seines Traums hat Opa Chen 15.000 Yuan RMB gespart – ein kleines Vermögen für ihn, beträgt seine monatliche Rente doch lediglich 3.100 Yuan RMB. Obwohl ihn sein Expo-Abenteuer fünf Monatsrenten kostet, beklagt sich Opa Chen nicht. Der hohe finanzielle Aufwand lohne sich, findet er, schließlich sei die Weltausstellung in Shanghai eine einmalige Sache:
"Die Expo in Shanghai ist eine Plattform, auf der modernste Technologien sowie die Sitten und Bräuche verschiedener Länder gezeigt werden. Für die Aussteller aus aller Welt ist das eine gute Chance, sich zu präsentieren. Wir als Gastgeber müssen die Aussteller unterstützen. Auf diese Weise können auch wir unsere modernen Technologien zeigen."
Für Opa Chen war der Besuch der verschiedenen Länder-Pavillons wie eine Weltreise. Selbstverständlich ließ er sich auch den China-Pavillon nicht entgehen. Darin gefiel ihm besonders der Kurzfilm "Harmonisches China":
"Dieser Film widerspiegelt den Weg, den wir in der Vergangenheit gegangen sind. China hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Entwicklung von einem rückständigen Land zum China von heute war nicht einfach."
Ganz oben auf seiner persönlichen Wunschliste stand auch der Besuch des Taiwan-Pavillons. Da Opa Chen zwei Jahre seiner Kindheit dort verbracht hat, fühlt er sich mit der chinesischen Inselprovinz eng verbunden:
"Von den zahlreichen Pavillons auf dem Expo-Gelände finde ich den Taiwan-Pavillon besonders gut gemacht. In ihm werden sowohl die modernen Technologien als auch die Sitten und Bräuche gezeigt. Ich habe die tiefe Verbundenheit zwischen den beiden Seiten der Taiwan-Straße im Pavillon gespürt."
Die Weltausstellung in Shanghai hat Opa Chen Lust auf mehr gemacht. Als Nächstes plant er eine Rückkehr auf Taiwan:
"Ich möchte noch einmal nach Taiwan reisen, um zu schauen, ob meine ehemalige Grundschule noch da ist. Zudem erinnere ich mich noch sehr gut an den dortigen Reis. Der Reis dort schmeckt wirklich ausgezeichnet."
Der Besuch der Expo hat Opa Chen aus Beijing einen Hauch der weiten Welt vermittelt. Gleichzeitig war die „Weltreise" durch das fünf Quadratkilometer Expo-Gelände für ihn aber auch eine Rückkehr in seine eigene Vergangenheit. Was ihm die Zukunft bringen wird, wisse er nicht, sagt Opa Chen lächelnd. Wenn seine Gesundheit es aber zulasse, so der rüstige Rentner, dann sei der Besuch der Expo in Shanghai mit Sicherheit nicht seine letzte Reise gewesen.
Übersetzt von Li Qian
Gesprochen von Zhang Chen
Weitere Links:
1. Highlights auf der Expo in Shanghai