Der Lehrer aus Deutschland, der unter dem Namen "Schulleiter Carl" bekannt war, fragte Pans Schwiegervater Lin Daozhi, ob er auf seine Bücher aufpassen könne, als er Shanghai in den 1940er Jahren verlassen hatte. "Ich komme zurück, um sie abzuholen" sagte Carl zu Lin – doch er kam nie wieder. Lin, seine Frau und die zwei Söhne sind nun bereits tot, doch seine Verwandten versuchen immer noch, Kontakt mit Carls Familie aufzunehmen, um die Bücher zu retournieren.
"Ein Versprechen ist eine Verantwortung, also warten wir auf den Besitzer dieser Bücher", sagte die 65 Jahre alte Pan. Das Shanghaier Museum für Jüdische Flüchtlinge und das Deutsche Konsulat in Shanghai sagten gestern, dass sie versuchen würden, Carls Familie zu finden, um die Bücher zurückzugeben. "Das Museum und das Konsulat werden die deutschen Archive um Hilfe bitten, um den Besitzer der Bücher ausfindig zu machen", sagte Chen Jian, Kurator am Shanghaier Museum für Jüdische Flüchtlinge.
Lins Haus an der Changzhi-Straße wird abgerissen, um Platz zu machen für die Entwicklung der "North Bund Area", die als Schiff- und Finanzzentrum geplant ist. "Ansonsten könnten wir diese Bücher auch selbst aufbewahren, bis der Eigentümer auftaucht, obwohl wir wissen, dass das wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen ist", sagte Sun Lide, Lins Schwiegertochter. Carl war ein Oberstufenlehrer in Deutschland. Er war einer von zehntausenden Juden, die vor der Verfolgung durch die Nazis aus Europa nach China geflohen sind. Er fand Zuflucht im Gebiet Tilanqiao von Hongkou. Dort unterrichtete er an einer religiösen Schule, die von Lin betrieben wurde. Dieser betrieb auch eine Seifen- und Papierfabrik.
"Jeder nannte Carl den 'Schulleiter Carl', und er hat jüdische Kinder unterrichtet, die in der Nähe der Schule gelebt hatten", sagt Pan. Carl gab die Bücher an Lin, als er Shanghai verließ. Die meisten von ihnen sind auf Englisch, Deutsch und Hebräisch und behandeln religiöse Themen. Einige tragen den Stempel "Hochschule Paul", was eventuell auf die Herkunft der Bücher schließen lässt. Im September 1947, als der Zweite Weltkrieg gerade mal für zwei Jahre vorüber war, erhielt Lin einen Brief in englischer Sprache von Carl, in dem er sagte, er sei zurück in Deutschland. Er sagte, sein Haus sei in den Händen der Nazis ein wenig beschädigt worden und dass er nun einen Job bei der Regierung hätte. Er fügte hinzu, er würde sich freuen, von Lin zu hören. Dennoch verloren Lin und Carl über die Jahre hin den Kontakt.
In der letzten Zeit wurden die Bücher in der Mitte eines zehn Quadratmeter großen Apartments aufbewahrt, die sich Pan und ihr Sohn in der Nähe des Flusses Huangpu teilten: "Es war schwierig für meinen Schwiegervater, die Bücher für drei Generationen aufzubewahren", gibt Pan zu. Doch sie sagte, sie hätte nie daran gedacht, die Bücher wegzuwerfen, obwohl ihre Wohnung klein sei. Die Sammlung erscheint nach wie vor komplett und intakt. Über die Jahre hätte es jedoch beinahe einige Verluste gegeben. 1945 musste Lin zehn Träger anmieten, um die Bücher zu seinem Geburtsort nach Huangyan in die Provinz Zhejiang zu bringen, da die Japaner planten, Shanghai zu bombardieren. Auf der Route mussten sie Dieben ausweichen, indem sie schnell auf ein Boot kletterten.
In den 1960er Jahren während der Kulturrevolution sollten die Bücher verbrannt werden, nachdem sie irrtümlich für "verbotene Bücher" gehalten wurden, doch ein Wolkenbruch verhinderte den Plan. Pan sagte, die Bücher zu behalten sei auch ein Versprechen an Lin: "Bevor er starb trug uns Lin auf, die Bücher zu beschützen und auf Carl zu warten." Die Redaktion von Shanghai Daily nimmt zweckdienliche Hinweise nach dem Verbleib Carls entgegen.
Quelle: german.china.org.cn



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